
Es war eine erfolgreiche Aktion, die der Verein MOGIS (MißbrauchsOpfer Gegen InternetSperren) binnen kurzer Zeit auf die Beine gestellt hat.
„Grundgesetz lesen!“, das klingt weder spektakulär noch atemberaubend, aber das Grundgesetz ist das Fundament unserer Demokratie. Und das Grundgesetz nicht nur zu lesen, sondern auch zu verstehen, sei jedem empfohlen. Es ist ein gutes Gesetz. Ein sehr gutes. Es muß bewahrt, gestützt und geschützt werden. Und wer sollte das tun, wenn nicht wir?

Es mögen 200 engagierte Bürger gewesen sein, Freunde und Bewahrer der im Grundgesetz verankerten Errungenschaften. 200 Bürger, die sich auf dem Washingtonplatz vor dem Berliner Hauptbahnhof, unweit von Bundeskanzleramt und Reichstag, versammelt hatten – zum Grundgesetz-Lesen.
13 Uhr: Im Grundgesetz stöbern. 13.02 Uhr: Posieren und zum Stilleben werden. Ab 13.03 Uhr: laut und deutlich vorlesen. 13.05 Uhr: Ende der Aktion.
Nur fünf Minuten. Aber fünf Minuten, die uns zur Demokratie machen. Schon allein, daß eine solche „spontane“ Aktion möglich ist, zeichnet das System, in dem wir leben, gegenüber anderen aus. Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit – wesentliche Bestandteile des nunmehr 60 Jahre alten Grundgesetzes, Zeichen und Auszeichnung einer starken Demokratie.

Christian Bahls von MOGIS zeigte sich zufrieden und er kann zufrieden sein. Die Öffentlichkeit ist wieder ein Stück mehr darauf aufmerksam gemacht worden, was MOGIS will. Es wurde deutlich, daß wir ein gutes Grundgesetz haben und wir nicht zulassen dürfen, daß nach Lust und Laune daran herumgedoktert wird, solange bis der Patient tot ist.
Bahls, der ruhelos „löschen statt sperren, löschen statt sperren“ kinderpornographischer Internetseiten fordert, hat Mut und Einsatz gezeigt. Selbst als Kind mißbraucht, kämpft er nun mit ganzer Kraft dagegen, eine Internetzensur „auf dem Rücken der Mißbrauchopfer“ einzuführen. Seine Argumente sind erschlagend. Doch auch starke Argumente haben es schwer, wenn die andere Seite verbohrt auf ihrem Standpunkt beharrt. Viele teilen Christian Bahls Meinung noch immer nicht, aber es werden mehr. Allerdings zeigt sich Ursula von der Leyen weiterhin unbeeindruckt. Die Bundesregierung bewegt sich keinen Millimeter.
Dieser Flashmob war ein weiterer Tropfen auf den heißen Stein, nicht viel, aber doch so unendlich wichtig. Ein Sprecher der Piratenpartei, die am Rande Stimmen für die Zulassung zur Bundestagswahl sammelte, brachte es auf den Punkt:
„Wir sind die Elite Deutschlands“, weil wir begriffen hätten, worum es geht. Dabei wirkte die Aktion auf dem Washingtonplatz beinah symbolisch. Man versammelte sich im unteren Drittel und eher in einer Ecke. Wie bezeichnend! Es wirkt tatsächlich manchmal so, als sei Demokratie, wie Joachim Gauck es unlängst formulierte, ein Randgruppenthema.
Wir halten heute vieles für selbstverständlich, was eben alles andere als selbstverständlich ist.

[...] Erklaerung: Bericht: Die Elite Deutschlands beim Flashmob “Grundgesetz lesen!” (3 Fotos aus [...]
Also die °Elite° finde ich reichlich unnötig…trotzalledem fabelhafte Geschichte!
Ja .. das mit der Elite hat mich auch schon auf dem Platz etwas angestoßen ..
.. wir müssen aufpassen uns nicht über die anderen zu erheben
Christian
@mogis: Naja, ich glaube, es gibt schlimmere Bezeichnungen für Leute, die sich engagieren. Elite ist doch was Positives;) Und es ist gar nicht so schwer, zu dieser Elite dazuzugehören. Man muß sich nur selbst engagieren;) Grüße!
[...] Erklaerung: Bericht: Die Elite Deutschlands beim Flashmob “Grundgesetz lesen!” (3 Fotos aus [...]
Gelungene Aktion.
Wie schon von den anderen erwähnt, klingt für mich der Begriff „Elite“ überheblich. Elite ist eine Gruppierung überdurchschnittlich qualifizierter Personen, die der Masse gegenüber steht. Gerade weil es hier um den Begriff Demokratie geht, der eben das ganze Volk betrifft, wäre ein Begriff wie „Vorreiter der Demokratie“ o.ä passender gewesen.
@Hofnarr Florian: War auch nur ein Zitat… Beschwerden bitte an die Piratenpartei;) Ich hoffe, der Mensch hatte nicht nur ein T-Shirt von denen…