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Die Bordsteinschwalbe macht die Fliege. Ich habe mich in dieser Saison 438 mal verschenkt. Nun ist es Zeit, dafür zu sorgen, daß ich über den nächsten Sommer komme. Ich werde Welt hamstern, in mich aufnehmen und wieder ausspucken. Ich verkrieche mich in meinen Bau. Vielleicht wage ich mich dann und wann vor die Tür, zünde ein Streichholz an und werfe es in die Flut. Strohhalme sind alle. Und leben. Leben – das wär’ mal wieder was!

Danke Freunde!

… Danke, Christian – was soll ich noch sagen? Du kennst mich ja.
Stephan - Danke für die Zeit in jener Zeit – es war wohl nicht unsere.
Björn, für diese VerFührung. Weißer oder roter Port? Bitte kein Rauchbier!
Julia – mein Gott, ich habe uns wirklich einschlafen lassen! (Hannes kann bestimmt schon „Mama“ und „Papamobil“)
Ihr Lieben vom Hauptstadtblogseid empfohlen!
Malte, ich bestehe auf ein handsigniertes Exemplar!
Lukas, habe unlängst CoffeeInTV versucht. Kein Vergleich.
Danke, Muriel
- Interesse hat nix mit Spam zu tun, sag das den Trollen! …

Danke allen Kommentarschreibern und stillen Lesern!

Die Bordsteinschwalben fliegen hoch. Seht Ihr sie, die sich hier verschenken, anbieten und hoffen, genommen zu werden? Manche singt Lieder von jedem, dessen Brot sie frißt, manche kräht vom höchsten Schuldturm oder vom größten Haufen Mist, manche pfeift im Wald des Schweigens, manche schlägt grundvoll Alarm. Teilzieher. Standvögel. Strichvögel.
So viele gefangen im Netz!

Vielleicht mache ich es jetzt wieder für Geld.

Und wenn der Lenz die 84 vollendet, werde ich wieder da sein.

Ciao!

Alles im schwarz-gelben Koalitionsvertrag steht unter Finanzierungsvorbehalt, die Kirchensubventionen in Höhe von rund 20 Mrd. Euro jährlich allerdings nicht.

Warum muß der Staat den Religionsunterricht bezahlen (1,4 Mrd. Euro)? Warum müssen sich die Steuerzahler mit über 4 Mio. Euro an Kirchentagen beteiligen? Warum fließen rund 41 Mio. Euro jährlich in Militär-, Anstalts- und Polizeiseelsorge? Und warum stellt kaum jemand diese Fragen? Weil Angela Merkel die CDU-Vorsitzende ist? Gerhard Schröder, der als erster seinen Eid ohne Gottesformel leistete, war Sozialdemokrat, bis er sich nach seiner Amtszeit gänzlich Gas und Rubel hingab. Auch Rot-Grün hat diese Subventionen nicht angetastet.

Daß die christlichen Parteien nicht am eingefahrenen System rütteln wollen, ist kritikwürdig, aber nachvollziehbar.

Und die FDP? Im Mai hat sich die Gruppe „Christen in der FDP“ gegründet. Ausgerechnet im Jahr der Bundestagswahl. Mitglieder sind u.a. Finanzexperte Hermann Otto Solms und der Vorsitzende des Haushaltsausschusses Otto Fricke. Es geht ihnen natürlich um den „intensiven Dialog“, um „neue Impulse“ und dergleichen. Und wenn man in Beratungen und Verhandlungen geht, gibt man diese persönlichen Interessen selbstverständlich beim Pförtner ab.

Selbstverständlich geht es dieser Gruppe um handfeste politische Einflußnahme. Eine Gruppe innerhalb einer Partei gründet sich nicht, um einfach nur da zu sein, um angeregte Konversation zu pflegen. Das könnte der einzelne gläubige Abgeordnete auch allein. Wenn man aber etwas erreichen will, muß man Leute hinter sich versammeln und Mehrheiten für sich gewinnen.

Es geht wie überall auch um Geld. Gruppen sind Interessenvertretungen, deren Mitglieder ihr Möglichstes tun, um mit der Kraft der Gemeinschaft Dinge herbeizuführen oder zu bewahren. Auch Lobby genannt.

Man kann nur mutmaßen, wie der Einfluß solcher Gruppen aussieht. Doch die Annahme, er bliebe ausgerechnet bei finanzpolitischen Verhandlungen aus, muß als naiv bezeichnet werden.

Im Koalitionsvertrag heißt es:

Den Christlichen Kirchen kommt eine unverzichtbare Rolle bei der Vermittlung der unserem Gemeinwesen zugrunde liegenden Werte zu.

Es ist wie im Theater: Wer die Hauptrolle spielt, bekommt die höchste Gage.

Der Glaube verteilt Steuergelder und verhindert den Abbau von Schuldenbergen.

Steuersenkungen seien nicht möglich, wettert die Opposition. Steuerverschwendung hingegen schon.
Bereits im April habe ich darauf verwiesen, daß
Bischof Mixa nicht nur Nerven kostet:

Im Gegensatz zum normalen Pfarrer erhalten Bischöfe ihr Gehalt ausschließlich aus der Staatskasse. Rund 7500 Euro monatlich nach Besoldungsgruppe B6. Erzbischöfe lassen wir uns noch etwas mehr kosten. Nach Besoldungsgruppe B6 gute 10.000 Euro. Im Vergleich: Ein Bundestagsabgeordneter, ein Vertreter des ganzen Volkes mit der entsprechenden Verantwortung, erhält seit 01. Januar 2009 7 668 Euro.

Geht man nun davon aus, daß diese Zahlen auf jeden der 102 Bischöfe (Stand 2005) zutreffen, beläuft sich die Gesamtsumme im Jahr auf über 9 Mio. Euro. Alle elf Jahre ist eine Milliarde voll. Für 102 Einzelpersonen. Bei Steuersenkungen profitierten hingegen alle. Wohlgemerkt: Hierbei handelt es sich lediglich um die katholischen Bischöfe.

Doch damit nicht genug. Jährlich fließen rund 20 Mrd. Euro in Form von Subventionen an die beiden großen Kirchen.

Auf der Website stop-kirchensubventionen.de, die von der „Bürgerbewegung Mehr Geld für den Bürger“ betrieben wird, spricht man allerdings nicht von 20 Mrd., sondern von 14 Mrd. Euro. Grund genug, einmal nachzuhaken. Auf schriftliche Anfrage erklärte mir Sprecher Matthias Holzbauer, daß man im Gegensatz zum Bund für Geistesfreiheit die Subventionen für Sozialeinrichtungen grundsätzlich nicht hinzuzähle und extra halte:

…weil wir grundsätzlich nichts dagegen haben, dass der Staat so etwas subventioniert. Die Kirchen verheimlichen dies allerdings meist („Soziallüge“), um so zu tun, als zahlten sie alles selbst.

Selbst zahlen. Den Kirchen unmöglich? Sind sie, um ihre Angebote aufrecht erhalten zu können, wirklich auf Steuergelder angewiesen? Glaubt man der Website freie-christen.com, ist gerade die katholische Kirsche alles andere als arm. Allein der Goldschatz wird dort auf 3.500.000.000 Euro beziffert. Hinzu kämen Ländereien, Firmenbeteiligungen usw.

Gestützt wird dies u.a. vom Politologen und Journalisten Carsten Frerks, der für sein Buch „Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland“ drei Jahre lang recherchierte und zu dem Schluß kam: Die Christen-Institutionen sind die reichsten Unternehmer der Republik (SPIEGEL online aus dem Jahr 2001). Unternehmer, die vorgeben, bedürftig zu sein und sich so Staatsgelder erschleichen. Gelder, die trotz der angespannten Haushaltslage ohne Murren gezahlt werden.

Vielleicht hat man einfach Angst, sonst nicht in den Himmel zu kommen.
Die Eintrittskarte kostet mindestens 14 Mrd.

Frau Z.s Regen

Frau Zitrone stand im Regen,
Was ihr nicht grad wohlgefiel,
So ein Regen ist kein Segen
Für der Frauen Sexappeal.

Frau Zitrone stand und stand,
Niemand weiß, warum grad da,
Bis sie einen für sich fand -
Der der erste beste war.

Nicht des Mannes, vielmehr wegen
Seines Schirmes, der sie schützte
Vor dem bösen Dauerregen,
Der dem Sexappeal nicht nützte,

Hakte sie sich bei ihm unter,
Und er sah, weil Regen fiel,
Unterm Kleide war nichts drunter,
Nur der bloße Sexappeal.

Und der Mann, in sowas firm,
Meinte, um noch mehr zu sehn:
Solche Anmut und ein Schirm,
Das würd’ nicht zusammengehn.

Und entzog Frau Z. das Ding,
Was sie reichlich sauer machte,
Weil es jeden Tropfen fing
Und sie herrlich überdachte.

Nun, vom Regen übermannt,
Wurd’ Frau Z. doch bald gewahr,
Daß der Mann was aufgespannt,
Was weiß Gott kein Schirm nicht war.

Dieser Zustand war hingegen -
Und im weiteren Verlaufe -
Nur ein Wechsel aus dem Regen
In Frau Z.s gewohnte Traufe.

KriegsErklaerung

Wenn der Wehr- und Zivildienst von neun auf sechs Monate verkürzt wird, bricht das ganze Betreuungs- und Pflegesystem zusammen. Richtig. Richtig? Richtig! Um die derzeitige Qualität halten zu können, muß also alles so bleiben wie bisher. Korrekt? Folglich müßte man, um Betreuung und Pflege weiter auszubauen, den Wehr- und Zivildienst verlängern. Ja?

„Alle halbe Jahre die Bezugsperson zu wechseln“, könne Menschen nicht zugemutet werden, betonte kürzlich DRK-Sprecherin Svenja Koch.

Ein Wechsel alle neun Monate ist zumutbar? Oder gleich von neun auf 18 Monate verlängern? Auf drei Jahre, auf fünf?

Das System ist marode, die Kassen sind leer und die Zivildienstleistenden längst eine zentrale Säule des Sozialsystems. Fest eingeplant, nicht wegzudenken. Bereits nach kurzer Einarbeitungszeit ein vollwertiger Ersatz für all jene, die man regulär nicht einstellen oder bezahlen will oder kann. Ein System, das von Kurzsichtigen für die Ewigkeit gebaut wurde. Es funktioniert schon heute nicht mehr so gut wie es sollte. Ideale Zustände sähen anders aus.

Wir brauchen einen Krieg. Keinen Krieg, der dafür sorgt, daß Dienstzeiten verlängert werden und damit mehr Zivis abfallen. Wir brauchen einen Krieg gegen das bestehende System und die, die darauf pochen, daß es immer so bleibt.

Wir brauchen einen gesellschaftlichen Kanon der neuen Vernunft, der diese Gesellschaft auf geraden Wegen, ohne Zickzack und Hickhack, in ein Zeitalter führt, das von mehr Alten und Pflegebedürftigen denn je geprägt sein wird. Diese Alten werden wir sein. Und die Arbeit, die anfällt, kann keine Generation von Zivis allein bewältigen. Es kann nur eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein. Wir müssen erkennen, wo wir heute sind und wo wir morgen sein werden. Eine Bestandsaufnahme ist zwingend notwendig, aber wir müssen auch die Frage beantworten, wie dieses Morgen aussehen soll. Davon hängt alles ab.

Das Sozialsystem muß gleichmäßig auf alle Schultern verteilt werden. „Einer trage des anderen Last“ heißt es. Aber es darf nicht dazu kommen, daß wenige die Lasten vieler tragen müssen. Das geht planwirtschaftlich. Es geht aber auch marktwirtschaftlich. Mit Vernunft, Willen und stetem Bemühen. Ja, es wird Geld kosten. Ungeheuer viel Geld. Und wir werden es bezahlen müssen. Ob durch Steuern oder Beiträge. Daran führt kein Weg vorbei. Die Notwendigkeit wird unsere Bereitschaft erzwingen.

Wer sich selbst absichern will, darf dies nicht als Freistellung von jeder Verantwortung für andere verstehen. Bedürftigkeit muß neu definiert werden. Wer seine Last finanziell allein tragen kann, der sollte dies auch tun. Vielleicht erfordert die Lage ein System, in das alle einzahlen, aber von dem nicht alle profitieren. Zugunsten der wahren Bedürftigen. Ungewohntes, unbequemes Denken ist gefragt.

Wer heute nur auf kommende Generationen setzt, in Kinder und Familie investiert, der hilft, doch er hilft nur denen von Übermorgen. Wie überbrücken wir die Jahre bis die Kinder von heute zu Pflegekräften und Beitragszahlern herangewachsen sind? Es brennt längst an allen Ecken und Enden. Die von Morgen werden auf dem sozialen Schlachtfeld, das wir ihnen hinterlassen, nur noch die Asche zusammenfegen können. Die Asche eines guten Willens – abgefackelt von Konservativen, die zu feige waren, zum Feuerlöscher zu greifen.

Die Beibehaltung der neunmonatigen Wehrpflicht würde eine längst überfällige Diskussion verhindern.

Nichts ist für die Ewigkeit.
Vieles im Pflege- und Betreuungssystem ist von vorgestern.

So sehen Mörder aus

Panik beim Staatsbesuch.
Die Schweinegrippe auf Stippvisite in Deutschland.
Jetzt heißt es: Vermummen und Abwehrkräfte mobilisieren!

Impfen oder nicht impfen? Impfen und daran sterben oder nicht impfen und daran sterben?

Ich habe von diesem nervtötendem Wirkverstärkergetöse, der Hysteriemaschinerie in den Medien, von Pandemie, Pandemrix und Celvapan den Rüssel gestrichen voll.

Ich kann keine Experten mehr sehen. Ich will keinen aktuellen Stand der Dinge mehr. Bitte, bitte keinen „Brennpunkt“!

Ich muß nicht unbedingt wissen, wie alt der derzeitige Vorzeigeerkrankte ist, welche Farbe seine Unterwäsche hat und ob diese den Krankheitsverlauf eventuell positiv beeinflussen könnte.

Vor allem verlange ich, das Schweinegrippevirus von allen C-Prominenten fernzuhalten. „Die perferkte Promi-Influenza“ scheint mittlerweile ein unvermeidbares Fernsehformat des kommenden Winters zu sein. Ich höre schon das Virus schreien: „Ich will ins Schwein, holt mich hier raus!“

Ich möchte ins Netz gehen können, ohne erfahren zu müssen, welcher ministerielle Oberarm bereits Empfängnisbereitschaft signalisiert hat und welcher sich immer wieder entzieht oder wackelt wankelt.

Ich habe mich bereits Ende April der Hysterie hingegeben. Seit etwa drei Wochen ist eben dieser Artikel Tag für Tag unter den Top 5 in meiner Blogstatistik. Seit Freitag wurde dieser 7 Monate alte Beitrag über 600 mal angeklickt. Er scheint zeitlos aktuell zu sein. An dieser Stelle gestehe ich, schon immer seherische Fähigkeiten in mir vermutet zu haben.

Mehr habe ich dazu nicht zu sagen. Und da ich mich noch immer weigere, mein tapferes Antlitz bei der Impfung ablichten zu lassen und in den darauffolgenden Tagen über mögliche, tatsächliche und eingebildete Nebenwirkungen zu bloggen, sei mit einem Verweis auf diesen legendären und ach so beliebten Beitrag das Thema endgültig abgehakt.

Ja, ich lasse mich vielleicht impfen.

Und nun laßt uns beten!

Foto: cloud_nine (flickr)
Montage: Matthias Schumacher

Wider die Panik

Wider die Panik

Matthias Schumacher twittert >>>

Die SUPERillu ist das Blatt für den vorwärtsgewandten Ostdeutschen, der noch mit einem Bein im Gestern steht. Dagegen ist nichts zu sagen. Insgeheim wollen wir doch alle wissen, wie es weitergeht mit Lippi, Frank Schöbel, Chris Doerk, Herbert Köfer, Kati Witt und Inka. Jawohl, Inka Bause.

Was früher das Meissner Porzellan war, ist heute Tokio Hotel – ein weltweiter Exportschlager aus dem Osten. Natürlich berichtet die SUPERillu auch über die fünf sexy Boys aus Magdeburg. Bill ist so etwas wie eine kostbare Suppenschüssel mit einem gewaltigen Sprung, der gewiß in keinem Fall der Herkunft geschuldet ist. Außerdem bietet die Zeitschrift, die allwöchentlich fast einer halben Million Lesern zwischen Kap Arkona und Suhl nach dem Mund redet, viel ostdeutsche Kanzlerin, Gysi, Thierse, Platzeck und einen mauerhohen Berg Ost-West-Themen, der stetig wächst. Und immer wieder Inka. Die Frau hat es aber auch geschafft, trotz aller Krisen und Umbrüche – wie alle Ossis.

Vom Osten lernen heißt, Krisen zu bestehen lernen.

Heißt es nun in einer von der SUPERillu in Auftrag gegebenen tiefenpsychologischen Studie des rheingold InstitutesUm zu erfahren, wie der gemeine Ostdeutsche 20 Jahre nach dem Mauerfall tickt, wurden

80 Bürger auf die Couch gelegt und jeweils zwei Stunden mit ihnen über ihren Alltag, ihre Sehnsüchte und Ängste und über das Ost-West-Verhältnis heute gesprochen.

80! ACHTZIG! Zwei Stunden! Repräsentativ für 15 Mio. Tiefenpsychologie im Galopp.

Und das Ergebnis liest sich, oh Wunder, genau so, wie es sich die SUPERillu sicherlich vorgestellt hat: Der still um Anerkennung ringende, geistig wendige Ostler, der selbst ein Tattoo mit dem Schriftzug „Familie“ trägt, wenn er der rechten Szene angehört. Dieser überlegene Ossi ist irgendwie doch der bessere Deutsche, der bessere Mensch. Mißverstanden, unterschätzt, aber überdurchschnittlich, übernatürlich, außerirdisch… Der Ossi packt an und jammert nicht!

Wir erfahren, wohin es führt, wenn man Werte übergestülpt bekommt und daß es dem Westler ausschließlich um Maximierung geht. Der Ostdeutsche hingegen ist genügsam.

Und wenn dann das Improvisationstalent der Ostdeutschen damit belegt wird, daß sie einen Trabi mit einer Strumpfhose als Ersatzkeilriemen in Gang zu setzen konnten, ist die Leserschaft gänzlich aus dem Häuschen. Darauf wäre der Wessi nie gekommen. Nachbarschaftshilfe gab und gibt es übrigens nur im Osten. Im Westen undenkbar.

Ein Hauch von „Es war nicht alles schlecht und vieles sogar besser“ durchweht die ganze Studie. „Ost-Errungenschaften“ wie Kleinkindbetreuungen und Ganztagsschulen werden als leuchtende Beispiele hoch gehalten. Warum es diese Errungenschaften gab und warum viele DDR-Familien gar keine andere Wahl hatten, als ihre Kinder von morgens bis abends den sozialistischen Aufzuchtsanstalten anzuvertrauen, bleibt im Dunkeln. Es kann eben nicht alles leuchten.

Wer jetzt glaubt, der ehemalige DDR-Bürger sei noch immer ostalgisch, wird von der flink zusammengeschusterten Studie eines besseren belehrt. Das war alles ganz anders gemeint:

Verklärt wurde und wird von den Menschen nicht das politische System oder der Unrechtsstaat, sondern der halbwegs funktionierende Alltagsbetrieb.

Spätestens hier muß man sich fragen, wo die SUPERillu diese 80 verklärungsfreien Prachtexemplare aufgetrieben hat. Von Selbstkritik keine Spur. Man hat weiß Gott andere sorgen:

Als Gipfel der Ignoranz erlebt man es, wenn selbst in Filmen über die DDR-Geschichte West-Schauspieler die Hauptrollen spielen.

Die SUPERillu gibt 20 Jahre nach dem Mauerfall den Anwalt der Entehrten und Entrechteten, die niemals entehrt oder entrechtet wurden. Sie streichelt sanft über die Oberfläche wie eine Hand über das Haupt der Verletzten und Verdammten. Sie salbt und überschminkt. Wer die Wahrheit will, muß bohren wollen. Die SUPERillu wollte nicht.

Stattdessen wurde eine Strichliste angefertigt, die ein Vorurteil nach dem anderen widerlegen oder relativieren will. Doch jeder abgehakte Punkt hat einen fatalen Unterton von: Westler, Du siehst uns falsch und willst nicht lernen!

Diese Studie ist mehr als Verteidigung. Sie ist ebenso Anklage.

Berlin hat zwei Probleme: Die Unterschicht und Tempelhof. Die eine ist ständig voll, der andere steht leer. Beide kosten Geld. Viel Geld. Unser schönes Geld! Seit Jahren sucht Berlin nach Lösungen. Gemeinnützige Arbeit, Ratten fangen und nun das Betreuungsgeld. Für Tempelhof sind Messen, Messen und Messen im Gespräch. Die Erklaerung schlägt ein Erfolgsmodell vor, das sich nicht nur in Brasilien und Ecuador bewährt hat. Slums. Für Berlin: Ein zentrales Slum auf dem Flughafengelände in Tempelhof. Und alle Sorgen flögen dahin.

Slums For Germany - Die Erklaerung (Matthias Schumacher)

In der Hauptstadt sind derzeit weit über eine halbe Million Menschen auf Hartz IV angewiesen. Und fast jeder wohnt woanders. Ein zentraler Anlaufpunkt für die Behörden würde Kosten und Arbeit sparen. Sozial- und Jugendamt, sowie die Polizei wüßten immer sofort, wo Schmarotzer, Schulschwänzer, prügelnde Eltern, Integrationsunwillige und jugendliche Gewalttäter zu finden sind. Vorteile, die klar auf der Hand liegen.

Die taz hat gestern errechnet, daß der Fughafen Berlin-Tempelhof 3,4 Mio. Quadratmeter Fläche umfaßt. Jedem Berliner könnte folglich ein Quadratmeter zugeteilt werden. Was ja gar nicht notwendig ist. Denn trotz aller Bemühungen hat es der rot-rote Senat unter der Regentschaft von Klaus Wowereit noch nicht geschafft, die gesamte Bevölkerung zu Arbeitslosen zu machen. Die Erklaerung hat errechnet, daß auf jeden Hartz-IV-Empfänger fast 6 Quadratmeter Flughafen entfielen. Sehr üppig. Die derzeitige Gesetzgebung sieht 45 Quadratmeter für die erste Person vor. Wer braucht einen solchen Palast?

Ein typischer Hartz-IV-Haushalt besteht grob geschätzt aus mindestens 7 Personen. Diese würden dann auf über 40 Quadratmetern leben dürfen. Natürlich staatlich finanziert. Im Gegenzug würden in Neukölln, Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Kreuzberg geräumige, lichtdurchflutete Wohnungen frei, um die sich der gierige Berliner Immobilienmarkt reißen würde. Leerstand – in Berlin ein Fremdwort. Die Wohnräume würden binnen weniger Tage an zahlungskräftige Manager und Heuschrecken jeder Art vermietet, die hier in einer zunehmend sauberen Stadt gern investierten. Zur Sauberkeit etwas später mehr.

Da es keinem Senat und keiner Bundesregierung gelungen ist, sämtliche Hartz-IV-Empfänger wieder in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern, kann man davon ausgehen, daß dies schlicht unmöglich ist. Folglich ist gefördertes Rumhängen und Saufen die einzige Alternative. Die Würde des Menschen bleibt auf diese Weise unantastbar.

Um konservative und neoliberale Kräfte in dieser Republik zu beruhigen, sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß Slum-Bewohner für gewöhnlich ganze Tage damit zubringen, Müll zu sammeln und sich davon zu ernähren. Dies wird auch in Berlin geschehen. Voraussetzung hierfür ist, daß die Pläne von FDP-Mann Martin Lindner, der nun im Bundestag seine Ziele weiterverfolgt, schnellstmöglich umgesetzt werden. Im Juli forderte Lindner, die Hartz-IV-Regelsätze um 30% zu kürzen, wenn deren Bezieher bezahlte, gemeinnützige Arbeit ablehnten. Daß dies ein für Leistungsbezieher übliches Verhalten ist, sollte jedem fleißigen Bürger hinlänglich bekannt sein.

Die Kürzung des ALG II führte zu einer direkten Entlastung der Berliner Stadtreinigung, die seit Jahren vollkommen überfordert scheint. Die Umsiedlung der Leistungsbezieher, die einen besonders hohen Verschmutzungsgrad haben, hätte somit einen doppelt positiven Effekt: Einst auf Straßen und Gehwegen Entsorgtes würde aufgeklaubt und im Winter verheizt. Eine Verschönerung des Stadtbildes wäre die unmittelbare Folge.

Darum: Slums For Germany! Slums entlasten die Kassen und fördern das sozialverträgliche Frühableben. Einsamkeit und explodierende Pflegekosten im hohen Alter sind nahezu ausgeschlossen. Jung und Mittelalt verbringen auf engstem Raum viel Zeit miteinander, was dem CDU-Bild einer Großfamilie im traditionellen Sinne entspricht.

Sie sehen, es ist an alles gedacht. Sie halten das für Satire?
Vielleicht ist es Ihre Zukunft.

Fotomontage: Matthias Schumacher
unter Verwendung von
mckaysavage (flickr)

Radio DRS!
Am letzten Sonntag zeigte sich wieder einmal, daß ein sympathischer Dialekt und eine nette Stimme der schlimmsten Nachricht den Schrecken nehmen kann. Die Schweizer Bevölkerung blieb jedenfalls ruhig und besonnen, als wäre nichts geschehen. Verständlich, Bagdad ist ja nun wirklich weit genug entfernt. Fast so weit wie Hiroshima.

Der Arm der niederländischen Tageszeitung „De Telegraaf“ reichte am vergangenen Samstag bis in die Bundespressekonferenz. Der Plan: Ausholen und abwatschen! Opfer: Unsere Lieblingskanzlerin, Dr. Angela Merkel.
Berlin-Korrespondent Rob Savelberg stellte hinterhältige Wohnwagenbesitzerfragen, Mutti trat auf die Bremse und der Guido grinste im Kindersitz. Onkel Horst sah ganz mitgenommen aus.

Und nun: Aufregen bitte!

Ich persönlich hätte gut und gerne auf Wolfgang Schäuble im neuen Kabinett verzichten können, doch er ließ sich wohl kaum verhindern. Wir werden mit ihm leben müssen. Und wir werden es überleben. Ein Land, das einen gewaltbereiten Außenminister verkraftet hat, wird an einem notorischen Spendenempfänger im Finanzministerium nicht zu Grunde gehen. Wir haben Joseph Martin Fischer die Verjährung zugebilligt, nun ist Wolfgang Schäuble dran. Körperliche Gewalt wiegt schwerer als finanzielle Vergehen. Oder? Zumal Fischer und Schäuble niemals verurteilt wurden.

Merkel brilliert hier bravourös als Verjährungshelferin.
Ihr Rezept: Uneingeschränkt zu ihrem Schützling stehen. Das hilft bei der Resozialisierung.

Ich werde nie verstehen, warum wir an Politiker höhere Maßstäbe ansetzen als an uns selbst. Der Bundestag soll das Volk widerspiegeln. Im Volk gibt es aber auch schwarze Schafe. Wir sind alle keine Engel. Der eine stibitzt Frikadellen vom Buffet des Arbeitgebers, der andere nimmt Briefumschläge mit 100.000 DM entgegen. Jeder nach seinen Möglichkeiten.

Sagen Sie jetzt nicht, Sie würden alles ganz anders machen, Engelchen!

via

Gealterte Medien wie DER SPIEGEL jammern und klagen. Früher war eben alles besser. Unter Schmidt. Unter Brandt und Schröder. Schwarz-Gelb ist das Viagra der linken Presse. Das Feindbild steht wie eine langersehnte Erektion. Und sie wird vier Jahre währen – begleitet von sintflutartigen Orgasmen bei jedem Fehltritt der Koalitionäre.

„Der abenteuerliche Fehlstart der neuen Koalition“ ist folgerichtig der aktuelle Aufmacher des Nachrichtenmagazins Nr. 1. Man warnt zur Vorsicht vor Schwarz-Gelb. Oder mahnt man Schwarz-Gelb zur Vorsicht? Vor wem? Vor uns?

Alles bevor sich der Bundestag konstituiert hat, bevor die Minister und die Kanzlerin vereidigt wurden. Noch ist gar nichts geschehen. Noch ist Schwarz-Rot.

Aber das Orakel ist längst wund, weil ganz Presse-Deutschland ihm redaktionsweise in den Hintern kriecht. Allen voran BILD-Chef Kai Diekmann und dann in kurzer Folge all die anderen, die es gewohnt sind, sich beruflich durch Anales und Annalen zu wühlen. Selbstlos. Nur für uns.

Doch wer erst dem einen lustvoll das Rektum weitet und zugleich dem anderen ein Zuckerbrot schmiert, kann sich nicht ruhigen Gewissens sauberer Arbeit rühmen. Journalismus ist ein steter Wechsel zwischen Kloake und Küche. Manche Redaktionen sind beides. Daß mitunter Unappetitliches auf dem Tablett landet, scheint beinah natürlich. Da verwundert es nicht, wenn viele Konsumenten beim Serviervorgang bis zum Erbrechen wie ein Klöppel in der Käseglocke zwischen Ekel und Ausschlag pendeln. Aufgetischt wird oft und reichlich. Die Medien schlachten und bedienen mittlerweile gleichzeitig.

Journalisten wissen, was kommen wird. Die Medien bestimmen über Richtlinien und Werte. Sie befingern das Leben in allen Stellungen und mit allen Mitteln. Sie sagen, was wahr oder Lüge ist. Sie sagen uns, was war, was ist, was kommt und wie wir es zu sehen haben.

Bei Schwarz-Gelb sollen wir schwarz sehen.

Original und Fälschung

Fotomontage: Matthias Schumacher
unter Verwendung eines Fotos von HeckMeck

heute.de am 24.10.2009:

Screenshot heute.de

spiegel.de am 24.10.2009:

Screenshot Google News-Suche / Meldung spiegel.de

Derwesten.de am 20.10.2009:

Screenshot derwesten.de

Jede Zeit ist ihre Zeit. Mahner und Warner haben Hochkonjunktur, nicht nur in dieser Krise. Denn jede Zeit hat ihre Krise. Notfalls wird eine erfunden. Kaum etwas funktioniert so gut wie Angst- und Panikmache.

Deutliche Warnung

Experten warnen vor der Schweinegrippe-Impfung. Experten warnen davor, sich nicht impfen zu lassen… Wirtschaftsexperten warnen. Verbände warnen gern und oft. Verbraucher- und Datenschützer warnen. Städte, Gemeinden, Länder. Politiker warnen ständig. Händler. Hochschulen warnen. Die Polizei, die Kirchen, Schwule und Lesben… Vor Sozialabbau, vor Steuererhöhungen, vor einer Wiederholung der Geschichte, vor dem Heute und dem Morgen, vor Steuersenkungen, vor Preissteigerungen und Bluthochdruck, vor blutdrucksenkenden Medikamenten. Vor Risiken insgesamt und Nebenwirkungen überhaupt, vor links, vor rechts, vor Dings und Bums, Hinz und Kunz.

Überall lauern Gefahren. Es ist der reine Warnsinn.

Wissende und Besserwisser geben sich die Klinke in die Hand. Kann man sich inmitten einer Pandemie eigentlich ungeschützt die Klinke in die Hand geben? Wer weiß Rat? Wem soll, muß, kann man glauben? Wer kennt sich da noch aus?

Alle wollen unser ihr Bestes. Mancher unser Geld. Einige alles oder nichts.

Wer bei Google & Co. das Wort „warnen“ sucht, erfährt sogleich, was niemals geschehen darf und sollte, was in Chaos, Desaster und Anarchie, in Verrohung und Exzessen enden würde. Doch jede ausgesprochene Warnung ist nichts weiter als ein Geräusch im Äther.

Eine Sicherheit, die an Wahrscheinlichkeit grenzt, ist eine Unsicherheit. Eine Wahrscheinlichkeit, die an Sicherheit grenzt, kann unwahrscheinlich sein.

Ich erwähnte schon des öfteren, daß ich meine Kindheit in der DDR verbringen durfte. Abgeschottet und gut beschützt vor allen Umweltproblemen, vor Luftverschmutzung, Waldsterben und Flüssen, die aussahen wie heute noch der Nil. 1987 war ich 11 Jahre alt. Damals erfuhr unsere Klasse in einer Vertretungsstunde im Werken von einem Lehrer, der im Westen garantiert 68er und später bei den Grünen gewesen wäre, daß wir uns darauf einrichten können, im Jahre 2010 oder 2020 zum Ostseeurlaub nur noch bis Neubrandenburg fahren zu müssen. Berlin hingegen läge dann in der Wüste und auch sonst würde alles ganz, ganz anders aussehen. Davor warnten damals die Experten. Gesicherte Erkenntnisse. Fundierte Prognosen.

Wenn ich heute auf den Kalender schaue und danach aus dem Fenster blicke, sehe ich Oktober und Herbst. Fallende Blätter, Regen und Kälte. Kälte, die wärmer ist als zur letzten Eiszeit. Ein deutlicher Klimawandel.

Bis heute weiß ich nicht so recht, welches Klima wir schützen wollen. Was ist DAS KLIMA? Das vor 150 Jahren? Wie will man den Einfluß des Menschen aus dem Klima herausrechnen und sagen: So müßte es heute sein, wenn wir nicht wären? Was wäre normal? Was ist natürlich, was unnatürlich? Wie will man etwas schützen, daß stets im Wandel ist? Ich bin kein Wissenschaftler, ich erlaube mir nur, frei vor mich hin zu denken.

Ich neige noch immer dazu, jenen zu glauben, die schlichtweg von einer wärmeren Periode sprechen. In den 60er Jahren war es für einige Zeit etwas kühler als gewöhnlich. Damals warnten Experten vor einer neuen Eiszeit. Heute ist das CO2 hauptverantwortlich. Schauen wir mal, was es in 20 Jahren sein wird.

In dieser Woche warnte das von Grünen besetzte Umweltbundesamt vor Nano-Technologie. Pünktlich kurz vor Ende der Koalitionsverhandlungen versuchte man, den von Union und FDP geliebten Forschungszweig beim Bürger madig zu machen. Wieder einmal könnten Teilchen in die Lunge wandern. Wie beim Backen, beim Staubwischen, bei neckischen Kissenschlachten vor dem Liebesakt. Menschheit, stell das Atmen ein! Bei der Abfahrt des Zuges sind alle Körperöffnungen zu schließen!

Warnungen sind nicht zwingend Wahrheiten.
Sie werden oft nur so verpackt und verkauft.

Wenn man einen Ziegelstein aus dem Fenster wirft, fällt er nach unten. Das ist sicher. Wer aber davor warnt, Ziegelsteine aus dem Fenster zu werfen, weil dies den Tod von drei Schulklassen, einem Zirkuselefanten und einer Rentnerband zur Folge hätte, der betreibt Panikmache und steht im Verdacht, Hysterie schüren zu wollen. Was selten uneigennützig geschieht.

Hinter vielen Ratschlägen und Warnungen steht heute eine Industrie, die darauf hofft, daß sie von der Masse angenommen werden. Es hat das prompte Handeln oder Unterlassen zu folgen. Je nachdem. Mancher möchte auch einfach nur sein Buch verkaufen und ins Fernsehen.

Wir neigen dazu, Mahnern und Warnern zu glauben, doch sollten wir, wenn wir ihnen zuhören, nicht unseren gesunden Menschenverstand ausschalten.

Wer Ziegelsteine aus Fenstern wirft, kann jemanden treffen, muß es aber nicht.
Vielleicht würde ein Ziegelstein ein Expertenleben kosten, also ist dies kein geeignetes Mittel, um für Ruhe im Karton zu sorgen. Denken hingegen könnte uns viele schlaflose Nächte ersparen, es immunisiert gegen Irrsinn und Hysterisierung, sagen Experten.

Foto: thiemadactom (flickr)

Alexandra KampAlexandra Kamp spielte an der Seite von Hape Kerkeling, Leslie Nielsen und Claudia Cardinale. Seit ihrem Debüt im Jahr 1994 wirkte sie in nahezu 40 Filmproduktionen mit. Ob internationales Kino oder deutsches Fernsehen – Alexandra Kamp ist heute gefragter denn je.

Im Interview verrät die ausgebildete Schauspielerin unter anderem, wie sie zu Horst Schlämmer steht und ob die Medien sie ebenso lieben wie ihr Publikum. Außerdem gibt es jede Menge Sex. Und Sexus.

Die Erklaerung: In wievielen Interviewsituationen haben sie in den vergangenen Monaten gedacht „Eigentlich müsste jetzt hier Horst Schlämmer sitzen“?

Alexandra Kamp: Zum Beispiel bei dieser beknackten Frage gerade.

Die Erklaerung: Fühlen sie sich mittlerweile ein bisschen wie Frau Schlämmer?

Alexandra Kamp: Ich BIN Frau Schlämmer!

Die Erklaerung: Sie haben sich vor drei Jahren für den Playboy und unlängst für die Tierschutzorganisation PETA ausgezogen und ablichten lassen. Sex sells. Aber kann man mit nackten Tatsachen Robben retten?

Alexandra Kamp: Man kann natürlich auch die Hände in den Schoss legen und konsequent NIX tun für den Tierschutz. Weil man ja schließlich auch Gürtel und Schuhe trägt … haha … ich liebe diese Diskussionen.
Wenn ich mit meiner (unentgeltlichen) Aktion auch nur einen Fan davon abhalten kann, ein mit (Robben)-Pelz besetztes Kleidungsstück zu kaufen, dann habe ich etwas richtig gemacht.
Die vielen anderen Charityaktionen, die ich unterstütze, zum Beispiel mit meinen Lesungen, stehen nicht in der Presse, weil ich es so will.

PETA_Robben_AKamp_300 (1)

Die Erklaerung: Sie als Frau müssen doch aber auch beschützt werden. Und zwar vor gierigen Männerblicken, vielleicht sogar vor sich selbst, wenn ich Alice Schwarzer richtig verstanden habe.

Alexandra Kamp: Ich kann mir sehr gut selbst helfen, das können Sie mir glauben, so schnell können die gar nicht gierig gucken, die Jungs!

Die Erklaerung: Natürlich steigert diese Aktion auch Ihren Bekanntheitsgrad, was Sie gar nicht nötig hätten. Viele werden Sie um ihre Karriere beneiden. Beobachten Sie Tendenzen, Wohlätigkeit als Sprungbrett zu benutzen?

Alexandra Kamp: PETA kam auf mich zu, da sie aufgrund meines hohen Bekanntheitsgrades in mir die richtige Person sahen, um auf sich aufmerksam zu machen. Nicht andersherum.

Die Erklaerung: Kommen wir noch mal zurück zum Sex. Kürzlich erschien Henry Millers „Sexus“ als Hörbuch. Gelesen von Ihnen. Rowohlt beschreibt diesen Roman u.a. als „orgastischer Hymnus auf die physische Liebe“. Warum gerade dieses Buch? Weil „Sexus“ sells?

Alexandra Kamp: Dieses Buch hat mich mein ganzes Leben begleitet. Es stand von mir ungelesen im Bücherschrank meiner Eltern. Fand es unglaublich unspannend, als ich immer mal wieder hineinlugte, im Gegensatz zu meinen Klassenkameraden. Ich persönlich stehe nicht auf erotische Literatur, finde die meiste sogar ziemlich abturnend.

Nun beim Aufräumen im Keller meiner Eltern fiel es mir wieder in die Hand und ich war beeindruckt ob der Poesie und Schreibkraft der „armen Sau“ Henry Miller. Im Gegensatz zu den meisten Schriftstellern, die ihre Phantasien nur niederschrieben, hat Henry Miller sie alle komplett ausgelebt. Ich ziehe den Hut vor solch schonungsloser Selbstbeichte und habe deshalb beschlossen, mein erstes Hörbuch selbst zu produzieren. Nämlich „Sexus“.

Verdienen werde ich an dem alten verstaubten Klassiker nichts, aber ich tue Dinge nicht, um Geld zu verdienen, sondern aus Leidenschaft! Am erotischsten finde ich in Henry Millers SEXUS übrigens die Stellen, in denen er New York beschreibt.

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Die Erklaerung: Man kann sagen, Sie sind ein Liebling der Medien. Das erreicht man nur mit Leistung und wenn man weiß, wie man die Presse zu bedienen hat. Womit kann man deutschen Journalisten eine besondere Freude machen: A) mit einem neuen Filmprojekt oder B) mit der Nachricht, schwanger zu sein?

Alexandra Kamp: Ich bin kein Liebling der Medien! Habe genügend unwahren Dreck über mich lesen müssen und mich auch erfolgreich dagegen gewehrt >>>

Die Erklaerung: Mancher ist froh, wenn wenigstens Dreck über ihn in der Zeitung steht.
Die Einigungen, die in deutschen Medienprozessen erzielt werden, stehen meist in keinem Verhältnis zu den Auflagen, die man mit diesem „unwahren Dreck“ erreicht. Rehabilitation ist ohnehin kaum möglich. Warum also überhaupt noch klagen?

Alexandra Kamp: Richtig! Und es kostet jedesmal ein Schweinegeld zu klagen! Trotzdem wohnt mir als Feuerpferd ein großer Gerechtigkeitssinn inne und darum stelle ich mich, wenn’s sein muss, auf die Hinterbeine. Im alten China wurden Mädchen, die im Zeichen des Feuerpferdes geboren wurden (nur alle 66 Jahre ! ) auch gleich erst mal ertränkt… Konsequent sich auf der Nase herumtanzen zu lassen, gehört Gott sei Dank nicht zu meinen Stärken.

Die Erklaerung: Könnten Sie an dieser Stelle vielleicht exklusiv verkünden, dass Sie im vierten Monat schwanger sind? Es muss ja nicht stimmen.

Alexandra Kamp: Nein.

Die Erklaerung: Ich unterstelle Ihnen an dieser Stelle einmal eine besondere Freizügigkeit. Lernt man so etwas auf Pariser Schauspielschulen?

Alexandra Kamp: Sie kennen mich nicht, Sie können mir unterstellen, was Sie wollen. Geht mir sozusagen am trainierten Hintern vorbei. Auf der bekannten Pariser Schauspielschulen les Cours Florent, auch Sophie Marceau studierte dort, bekommt man unter anderem nur einen Ausbildungsplatz, wenn man in der Lage ist, morgens um 8 in einer Fremdsprache zu improvisieren. Dies setzt Schauspieltalent voraus, nichts anderes.

7326_154031829172_154009254172_2477281_7338810_nDie Erklaerung: Kürzlich haben Sie die Dreharbeiten zu „the quatering act“ beendet. Geht es da denn wenigstens gesittet zu?

Alexandra Kamp: Lesen Sie den Pressetext und schauen Sie sich das Poster an. Ich spiele eine 20 Jahre ältere Frau, die ihren Sohn im Krieg verloren hat. Dieser amerikanische Kurzfilm ist übrigens in der Vorauswahl für den Studentenoscar.

Die Erklaerung: Frau Kamp, gestatten Sie mir bitte eine letzte beknackte Frage! Stellen Sie sich vor, der Fortbestand der Menschheit läge in Ihren Händen.
Es gäbe auf der Welt allerdings nur noch drei Männer:

Horst Schlämmer, Leslie Nielsen und Guido Westerwelle.
Für wen würden Sie sich entscheiden?

Alexandra Kamp: Eindeutig für Horst! Keiner hat zartere Schlämmerfilets.

Das Interview führte Matthias Schumacher.

Wieder hat einer was gesagt. Dieser Satz verheißt nichts Gutes.
Und selbst auf die Gefahr hin, daß mancher an dieser Stelle die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und ausruft „Was denn nun schon wieder?“ oder „Welche Sau wird jetzt durchs Dorf getrieben?“ – ich kann einfach nicht anders. Es muß raus!

Schließlich möchte da jemand, daß Schwulsein einfach eine sexuelle Veranlagung, eine Privatsache sei,

die nach den Regeln des guten Geschmacks in der Öffentlichkeit endlich wieder diskreter behandelt würde.

Denn:

Man läuft ja auch sonst nicht dauernd mit offenem Hosenladen herum.

Stimmt. Aber gelegentlich schon. Jeder so wie er mag. Aber Philipp Gut mag nicht mehr. Dieser Siegeszug des schwulen Lifestyles geht Gut offensichtlich auf das, was sich hinter seinem stets geschlossenen Hosenladen befindet.

Na, immerhin hat er die Eier, seine Thesen abermals zu verkünden, denn im Frühsommer hat er seinen Unmut über das staatlich geförderte Schwulsein, Sacha Baron Cohens „Brüno“ und alles Rosafarbene schon einmal kund getan. Philipp Gut wußte bereits Anfang Juli:

Von Ächtung und Diskriminierung kann keine Rede mehr sein.

Philipp Gut, Ressortleiter für Kultur und Gesellschaft beim Schweizer Magazin „Weltwoche“, hat somit nachweislich am vergangenen Samstag, um Punkt 13:24 Uhr eine Debatte losgetreten. Tatort: Welt online.
Derart genau läßt sich so etwas selten feststellen. Wer weiß, wofür man das noch gebrauchen kann! Vielleicht ist es ja Volksverhetzung. Da sind Staatsanwaltschaften für jeden Hinweis dankbar. Und man hilft ja gern, zumal es sich wie erwähnt um eine Wiederholungstat handelt.

Philipp Gut in Welt online

Wie komme ich eigentlich darauf, daß Gut eine Debatte losgetreten hat?
Na, es steht doch sogar drüber! Und was macht der brave Deutsche, wenn irgendwer etwas mit „DEBATTE“ überschreibt? Er tut das, was der Schreiber von ihm erwartet: Er folgt aufs Wort und debattiert. So zum Beispiel der geschätzte Kollege Niggemeier.

Der Diplom-Journalist Stefan Niggemeier analysiert und analysiert gut und gewissenhaft, was sich Dr. Philipp Gut, der ehemalige Lehrer, der später Geschichte, Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Zürich studierte, zurechtgeschrieben hat.

Niggemeier erläutert seinen Lesern haarklein, was Philipp Gut meint, wenn der etwas schreibt, das interpretierbar ist und nach erfolgter Deutung auch den letzten Leser bluthochdruckrot anlaufen läßt. Dieser raffinierte Dr. Gut aber auch! Ohne Niggemeier hätte keiner gemerkt, daß das alles Quark ist. Sicherheitshalber hat auch Johnny Haeusler vom Spreeblick darauf hingewiesen. Gottlob, die Reflexe funktionieren noch!

Philipp Gut heißt dieser ausgebuffte Hund also. Wieder so ein Name, den man sich nicht merken muß. Genau wie Thilo Sarrazin. Beide sind unbedeutend. Zwar haben sie Debatten angestoßen, doch wenn man sich in Deutschland auf etwas verlassen kann, dann darauf, daß aus Debatten keine Schlüsse gezogen werden. Oder allenfalls die falschen.

Auf Amokläufe folgen Killerspielverbotspläne und Einschränkungen des Waffenrechts, die denjenigen, der zu allem bereit ist, nicht abschrecken. Notfalls hilft Muttis Küchenmesser. Auf Integrationsdebatten folgen lediglich Veränderungen am Arbeitsplatz des Anstifters. Natürlich gibt es auch Talk-Runden. Frank Plasberg und Anne Will diskutieren engagiert und ergebnisoffen. Und die Volksseele kocht dazu auf Sparflamme.

Von allen Seiten springen sie in diesen Stunden herbei, all die Ungehörten und bislang Verschmähten. Doch jetzt werden sie gehört. Endlich. Denn unkommentiert kann man das alles wirklich nicht stehen lassen.

Zwar ist weder bewiesen, daß Sarrazins Aussagen oder die darauffolgende Diskussion irgendetwas verschlimmert, verhindert oder verbessert hätte. Aber man muß doch etwas tun, damit nicht jeder, der Welt online oder Lettre liest, glaubt, was da geschrieben steht! Das Volk ist dumm. Wenn einer etwas sagt, dann glaubt ihm das Volk, ganz gleich, was es auch immer sei. Hier sehen auch die Herbeispringer ihre Chance. Der Menschenverstand hat nun die Wahl und sich gefälligst richtig zu entscheiden.

Dabei ist nicht alles, was Philipp Gut schreibt, uneingeschränkt zwischen gezielter Provokation, Blödsinn und eigentümlicher Weltsicht verorten. An einer Stelle gebe ich ihm aus eigener Erfahrung sogar eingeschränkt recht:

Homosexuelle Politiker werden nicht nach ihren Überzeugungen und Taten beurteilt, sondern nach ihren sexuellen Präferenzen.

Ich selbst kenne Schwule, die in Berlin SPD gewählt haben, weil Klaus Wowereit ihr großes schwules Vorbild ist. Sein Outing wird als politische Großtat gefeiert. Eine Tat, die alles andere aufpoliert und einen Glanz verleiht, in dem sich ein kleiner Regenbogen spiegelt. Natürlich ist dieses merkwürdige Wahlverhalten kein gesamtgesellschaftliches Problem, sondern allenfalls persönlicher Beschränktheit geschuldet. Es ist dieselbe Art von Beschränktheit, die eine meiner Freundinnen dazu brachte, als FDP-Mitglied in Schwerin für Angelika Gramkow von der Linken zu stimmen, „weil sie eine Frau ist.“ Wenn das kein Grund ist, was dann?

Jetzt aber Schluß! Am liebsten hätten wir von alledem gar nichts gehört.
Unsere Sehnsucht, daß endlich wieder Ruhe einkehrt, ist größer als der Wille zur Veränderung.
Meinungsfreiheit, Ruhe in Frieden!

Herbst

Die Himmel gaben blau
Nun sinkt der Vorhang nieder
In tiefstem, grauem Grau
Die Wolken wachsen wieder

Die Wolken wachsen wieder
Und selbst der Nachtigall
Verweht der Herbst die Lieder
Auf Nimmer Wiederhall

Alles im Eymer

Was haben Anke Eymer (kennt die einer?), Klaus Uwe Benneter, Hans Eichel, Lothar Bisky, Herta Däubler-Gmelin, Laurenz Meyer, Peter Struck, Cem Özdemir, Jörg Tauss, Bodo Ramelow, Konrad und Otto Schily, Renate Schmidt, Ludwig Stiegler und Friedrich Merz gemeinsam?

Ihre politischen Leistungen passen auf einen Bierdeckel, gleich neben die Steuererklärung.

Quatsch! Dies >>>

Ist es nicht begrüßenswert, wenn sich Politiker austauschen?

Konstantin

Konstantin war 18, als er starb.

Die Unfallmeldung: nüchtern, sachlich – wie alle Unfallmeldungen:

… Ein 20-Jähriger geriet mit seinem Auto in einer Kurve ins Schleudern und prallte in einen entgegenkommenden Wagen. Anschließend stieß das Fahrzeug mit einem weiteren Fahrzeug zusammen.
Ein 18-jähriger Autofahrer, der schuldlos in den Unfall verwickelt wurde, ist seinen schweren Verletzungen erlegen….

Der 18-jährige Autofahrer war Konstantin.

Das alles ist jetzt ein Jahr her. Konstantin starb am 17.10.2008. Es ist immer besonders tragisch, wenn junge Menschen schuldlos sterben. Man könnte hier viel Pathetisches sagen. „Viel zu früh“, „aus dem Leben gerissen“, „plötzlich und unerwartet“. Man könnte von Schicksalsschlägen und schmerzvollen Einschnitten sprechen.

Ich kannte Konstantin nicht.

Wahrscheinlich waren es seine Freunde, die dieses Video mit Fotos aus Konstantins Leben auf YouTube veröffentlicht haben. Es ist eines von Abertausend Trauervideos auf YouTube.

Die Videoplattform ist nicht nur ein Ort für vermeindliche Raubkopien, medialen Bullshit und mit dem Handy in mieser Qualität aufgenommene Konzertfetzen. YouTube ist auch ein Ort des Glücks und der Trauer, der Hoffnung und Verzweiflung – ein Ort des Schicksals, ein Spiegel des Lebens. YouTube ist gewiß auch ein bißchen Therapie.

Wieviele Videos mag es geben, die von Verlassenen und Geschiedenen eingestellt wurden? Wieviele Videos enthalten Liebesbotschaften, die nun die ganze Menschheit lesen kann und die doch meist nur einen einzigen Menschen etwas angehen.

Das kalte Medium Internet bietet hier den Gefühlen die Möglichkeit, sich zu verbreiten. Ja, YouTube ist auch eine Gefühlsverbreitungsmaschine.

Das Video, das PinkBabY6 eingestellt hat, wurde inzwischen 17.000 mal aufgerufen. Hinter jedem Aufruf steht mindestens ein Mensch, der nun weiß, daß es da einmal einen jungen Mann namens Konstantin gab, der einigen unendlich viel bedeutet hat, die um ihn geweint haben, die fassungslos waren, als sie von seinem Tod erfuhren. Und wir, die wir einfach nur nach einem bestimmten Song, einem Namen, einer Textzeile gesucht haben, werden hineingezogen in diese Geschichte. Sie wird uns praktisch vor die Füße geworfen.

Kleine und große Geständnisse gibt es auf YouTube zuhauf: Micha sagt seiner Silke, daß er sie liebt, weil sie ist, wie sie ist – und Klaus Hoffmann singt dazujamil2009 hat einen zehnminütigen Clip gebastelt, in dem er sich und sein „Schatzi“ an ihre 7-Monatige Beziehung erinnert. Darüber gelegt: ein offensichtlicher Querschnitt von Schatzis Lieblingssongs. Die beiden haben sich damals bei Kaiser’s kennengelernt – und sie sah so süß aus in ihrem weißen Kittel… Und nun fehlt sie ihm „SOOO“. Am Ende ein bißchen Bettelei und ein Kniefall: „Denk bitte nochmal drüber nach…baby.“ Ob sie zu ihm zurückkehren wird?

Achja, Paul und Alexander sind seit dem 15.07.2008 verheiratetDieselben Pflichten, längst nicht dieselben Rechte, aber die Bilder sind kaum anders als bei anderen Hochzeitsvideos. Es muß Liebe sein. Schwule heiraten nicht wegen finanzieller Vorteile, denn sie haben keine. Endless love.
Am 24. August letzten Jahres hat Franzi ihre
Oma verloren – und auch sie setzt ihr ein Denkmal auf YouTube. 7 Minuten und 37 Sekunden. Fotos und Videoaufnahmen. Szenen einer Beerdigung. Getragene Musik. Ein Urnenbegräbnis.

Das ist YouTube: Konserviertes Leben, komprimiertes Gefühl, Momentaufnahmen. Staunen und Entsetzen hautnah.

Nirgends im World Wide Web findet soviel Leben statt wie dort. Terrorvideos, Wahlwerbung, Comedy und Konstantin. Noch nie war es einfacher, der Welt zu sagen: „Hey, ich bin glücklich“, und nie zuvor konnte man mehr Menschen zeigen, was man erlebt und gefühlt hat. Allein das macht alle Kritik am Netz, ob nun berechtigt oder unberechtigt, wieder wett. Es bringt die Menschen einander näher – wenn sie es zulassen.

Seit gestern stehen zwei Vorschläge zur Einführung neuer schulfreier Tage im Raum. Das islamische Zuckerfest gegen den jüdischen Versöhnungstag Jom Kippur. Wer will noch mal, wer hat noch nicht?
Hallo, Ihr Buddhisten, Ihr Bahá’i…?!

Uns trennt der Glaube, aber es eint uns das Grundgesetz. Da wäre es nur folgerichtig, gesetzliche, konfessionsunabhängige Feiertage einzuführen. Frei für alle. Beispielsweise am zweiten Freitag im August. Man spart einen Urlaubstag und kann die Sommersonne genießen.
Der Sommer darf nicht länger feiertagsfrei bleiben!

Ja, ich bin für den zweiten Freitag im August. Da ist es kuschelig warm, Ferien sind ohnehin und die Eltern können zu Hause bleiben. Das fördert den Familienzusammenhalt – ganz im Sinne von Zensursula von der Leyen. Ich würde ihn „Freier Tag am zweiten Freitag im August bei schönem Wetter“ nennen. Das ist ordentliches Beamtendeutsch. Man darf nie vergessen: Wir sind hier in Deutschland. Und in Deutschland gibt es eine Trennung von Staat und Kirche.

Schlagendstes Argument: Wenn die Kids fröhlich in den Seen planschen, Vorschulkinder abziehen, hinterm Jugendclub Joints basteln oder auf Bahnhöfen Fahrgäste totschlagen, geraten sie sich seltener in die Haare. Denn religionsunabhängige Feiertage beugen der Jugendgewalt vor. Man weiß doch, wie sowas abläuft: „Ihr dürft nur zu Hause bleiben, weil wir heute Zuckerfest haben.“ Eskalationen sind vorprogrammiert.

Der „Freie Tag am zweiten Freitag im August bei schönem Wetter“ wäre ein Tag ohne politische und religiöse Hintergründe, ein Tag, der uns allen gehört, der uns näher bringt. Ein Geschenk des Staates an alle, die hier leben.

Schluß mit der Einflußnahme der Religionsgemeinschaften auf unser Wirtschaftssystem!
Weg mit Ostern, Pfingsten, Himmelfahrt, Weihnachten als freie Tage für alle!
Wer frei haben will, muß Urlaub nehmen!
Weg mit dem arbeitsfreien Sonntag! Shoppen an allen Wochentagen!
Rund um die Uhr!

Heidnische Ossis, die mit Religion soviel am Hut haben wie ein Eisbär mit einer elektrischen Zahnbürste, sollen gefälligst immer arbeiten! Sie haben viel nachzuholen. Schaut Euch mal den Osten an, da ist noch immer alles im Eimer. Freie Tage kann man sich dort gar nicht erlauben. Schuften bis die Landschaft blüht, zack zack!

Ja, es sollte feiertagsfreie Zonen geben. Wo die Wirtschaft lahmt, wird gearbeitet bis zum Umfallen. Bei einem Wachstum ab fünf Prozent kann man mal wieder über einen freien Tag nachdenken. Über einen! Nachdenken!!!

Für alle anderen wird „Das Fest für Liebe, sinnlosen Konsum und Verlogenheit“ eingeführt – vormals Weihnachten. Aber nur noch ein Tag! Dann wird der „Tag des Eies“ dorthin verlegt, wo vormals Ostern war. Pfingsten wird ersatzlos gestrichen (man muß bereit sein, Opfer zu bringen), Himmelfahrt wird auf den 20. Juli verlegt, das war der Tag der ersten Mondlandung. Ein großer Schritt für die Menschheit! Silvester und Neujahr sind arbeitsfrei. Man möchte ja schon morgens losfeiern und am nächsten Tag ausschlafen. Der 3. Oktober wird zum „Tag für Geschlechtsverkehr“, mehr fällt den meisten eh nicht bei dem Wort Wiedervereinigung ein.

Überhaupt schulfreie Tage! Einfach so?! Wie wäre es stattdessen mit leistungsabhängigen Schulferien? Beispiel Sommerferien: Notendurchschnitt 1: 6 Wochen, Durchschnitt 2: vier Wochen, Durchschitt 3: drei Wochen, darunter gibt es gar keine Ferien mehr, sondern Bildung satt.
Na, wenn das nicht motiviert!

So ließe es sich in Deutschland leben! 360 Arbeitstage. Den Urlaubsanspruch drosseln wir mal auf 20 Tage, so wie in der Schweiz. Das muß reichen. US-Amerikaner kommen im Durchschnitt mit 12 Tagen aus, Japaner mit 18.
Was wollen wir mehr?

Wigald Boning / Foto: Schröder+Schömbs PR _ Brands | Media | LifestyleWigald Boning gehört seit Anfang der 90er Jahre zu den vielseitigsten Persönlichkeiten des deutschen Fernsehens. Ich hatte vor einigen Tagen Gelegenheit, den mehrfach preisgekrönten Künstler zu interviewen.

Es wurde ein Flug von Rio nach Wildeshausen, über Afghanistan – bis in die Welt der Piraten.

Die Erklaerung: Herr Boning, fühlen Sie sich ernstgenommen?

Wigald Boning: Mal mehr, mal weniger. Hierin unterscheide ich mich kaum von meinen Mitmenschen.

Die Erklaerung: Die letzte Folge „RTL Samstag Nacht“ wurde 1998 produziert, im selben Jahr wurde Gerhard Schröder Bundeskanzler. Wo ist der Zusammenhang?

Boning: Wir mussten aufhören, weil wir uns im televisionären Alltag völlig verausgabt hatten. Alles, was wir dem Fernsehpublikum an Neuigkeiten anzubieten hatten, war präsentiert, alle Sketche gespielt, alle Pointen gesetzt. Jetzt musste etwas neues passieren – so wurden wir von Gerhard Schröder beerbt.

Die Erklaerung: In „Clever! Die Show, die Wissen schafft“, die Sie bereits im sechsten Jahr zusammen mit Barbara Eligmann moderieren, sind Sie für teils waghalsige Experimente zuständig, wie waghalsig wird Schwarz-Gelb?

Boning: Mein waghalsigster Dreh war ein Dreh in Rio. „Red Bull Airrace“ – ich flog bei einem Kunstflieger mit und stellte schon auf der Rollbahn fest, dass Sicherheit deutlich hinter der Freiheit des einzelnen Piloten rangierte. Ein Dreh mit minimalem Budget, auf eigene Verantwortung. Insofern gibt’s da tatsächlich drei Parallelen zum politischen Liberalismus. Aber mehr fallen mir auch nicht ein.

Die Erklaerung: Als Sie 1967 in Wildeshausen (Oldenburg) geboren wurden, war die Stadt in CDU-Hand. Ein Jahr später wurde ein Liberaler zum Bürgermeister gewählt. Wieviel Anteil hat diese erste postnatale Politikerfahrung daran, dass sie heute selbst FDP-Mitglied sind?

Boning: Eine große. Mein Vater war FDP-Kreisvorsitzender, und bei uns wurde von morgens bis abends über Politik gestritten. Ist heute immer noch so: Treffe ich auf meinen Vater, geht es wenige Minuten später hoch her. Derzeitiger Lieblingsdissens: Afghanistan.

Die Erklaerung: Worin unterscheidet sich denn Ihre Sicht von der Ihres Vaters?

Boning: Er ist für einen Abzug ohne Wenn und Aber, ich habe mich vor Ort davon überzeugen können, dass die Situation äusserst vertrackt ist. Ein sofortiger Abzug würde, wäre er denn überhaupt möglich, die Lage dramatisch verschlimmern.

Die Erklaerung: Bleiben wir noch kurz beim Thema Afghanistan. Sie engagieren sich für Lachen Helfen e.V. Worum geht es da?

Boning: „Lachen Helfen“ ist ein privater Verein von Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz, die in ihrer Freizeit versuchen, die Not der Zivilbevölkerung zu lindern, vor allem der Kinder. Ich bin seit Jahren dabei und habe außerordentlich viel gelernt, z.B. wie man wirksam hilft, was die dafür notwendigen Bedingungen sind etc. V.a. in Afghanistan habe ich gemeinsam mit Barbara Eligmann und „Lachen Helfen“ einiges auf die Beine stellen können.

Die Erklaerung: Wigald Boning: Komiker, Moderator, Musiker, Journalist. Die Menschen trauen Ihnen vieles zu, mancher vielleicht sogar alles. Warum haben Sie nicht längst zur Piratenpartei gewechselt? Oder finden Sie es etwa noch verrückter, die FDP zu unterstützen?

Boning: Die Piratenpartei hat ja nur zwei Programmpunkte: Internetzensur und Urheberrecht. Auch ich bin gegen staatliche Internetsperren, während ich beim Urheberrecht fundamental anderer Meinung bin als die Piraten. Knappe 50% Zustimmung reicht einfach nicht. Im FDP-Programm werde ich fündiger, hätte ich bald geschrieben; aber: Fündiger? -Dieses Wort gibt’s, glaube ich, gar nicht.

Die Erklaerung: „Fundamental anderer Meinung“. Das Urheberrecht gilt als veraltet und unmodern. Und dass es ein geistiges Eigentum gibt, wird von den Piraten heftig bestritten. Ohne diese zentrale Säule bräche das Gebilde des geltenden Urheberrecht in sich zusammen. Sind Sie ein konservativer Besitzstandswahrer?

Boning: Jedenfalls kann ich nicht nachvollziehen, warum es sinnvoll sein soll, das Recht auf geistiges Eigentum vom sonstigen Recht auf Eigentum zu entkoppeln. Die Piraten argumentieren, beim Urheberrecht handele es sich „um ein dynamisches, vergleichsweise junges Recht, das frühestens in der Renaissance Einzug ins Europäische Recht gehalten habe“. Das Frauenwahlrecht gibt es in Deutschland erst seit 1918. Ganz schön jung. Ist dies ein Grund, es jetzt wieder abzuschaffen?

Die Erklaerung: Sie haben die Pflege Ihre Website aufgegeben und begründen diesen Schritt damit, dass sie zweifacher Vater und vielbeschäftigter TV-Moderator sind. Hat das Internet das Fernsehen bereits als Zeitfressmaschine abgelöst?

Boning: Ich schaue äusserst wenig TV, bin aber praktisch immer online. Eine eigene Internetseite brauche ich einfach nicht – der Laden läuft ja auch so. Und fürs Privatvergnügen reichen mit Facebook und Co.

Die Erklaerung: Was raten Sie Eltern, die ihre Kinder nicht mehr vom Computer wegbekommen?

Boning: Kommt drauf an, was die Kinder da so treiben. Wikipedia gilt bei uns zuhause z.B. als vollwertiger Leseersatz. Was soll’s denn sonst sein?

Die Erklaerung: Dieses Blog liest sich auch ganz gut. Sie sind ganz nebenbei begeisterter Ausdauersportler, da läge es nahe, Ihre Kinder zu ordentlichen Ultramarathon-Läufern zu erziehen. Oder sind Sie dann doch der übermotivierte Eiskunstlaufvater?

Boning: Um Himmels Willen! In ihrer Freizeit sollen meine Kinder ihren Interessen nachgehen, im sportlichen Bereich Tennis und Fußball. Da mische ich mich überhaupt nicht ein. Ich habe den Spass an langen Strecken erst entdeckt, als ich die 30 überschritt. ich glaube, für Marathon kann man Kinder sowieso kaum begeistern.

Die Erklaerung: Komiker, Moderator, Musiker, Journalist, Familienvater und engagiertes Mitglied der Gesellschaft und und und … Wie sollen die Menschen Sie in Erinnerung behalten, wenn Sie selbst nicht mehr da sind?

Wigald Boning: Ich hoffe doch überwiegend positiv, und zwar weniger aus Eitelkeit, sondern weil es für meine Kinder sicher angenehmer wäre, sich an einen netten Papa zu erinnern als an einen ignoranten Fiesling.

Das Interview führte Matthias Schumacher.

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Mann kann

Kann Mann?
Mann: Kann dann.
Wann?
Mann: Mann, dann!
Kann dann?
Mann: Kann, dann.
Wann dann?
Mann: Dann!
Dann, Mann?
Mann?
Mann?
Mann: DANN!
Wann? Wann? Wann?
Mann: Dann, dann, dann!
Mannomann!
Mann: Oh!
Mann, oh Mann!

Dann und wann
kann Mann.

Welch eine Zeit!

Da geht der Literaturnobelpreis an eine Frau namens Herta Müller, die unbekannter nicht hätte sein können, der Friedensnobelpreis an den ersten schwarzen Präsidenten der USA und Anzeigen wegen Volksverhetzung an Thilo Sarrazin. Nun, nicht jeder bekommt das, was er verdient.

Wie ähnlich sie sich doch sind! Alle drei leben mehr vom Wort als von der Tat, zumindest haben sie dem Wort ihren Ruhm zu verdanken. Sobald das Wort die Macht hat, stößt es die Tat vom Thron. Wer schön redet, ist vom Handeln befreit.

Wer gehört werden will, muß immer wieder nachlegen, Menschen binden und finden. Hierfür eignet sich am besten das gemeine Volk.

Aber wo ist dieses Volk?

Das Volk sitzt als NPD-Mitglied in Rechtsanwaltskanzleien oder auf Bordsteinkanten vor Dorftankstellen, es lümmelt frustzerfressen im Jobcenter, es steht als SPD-Wähler bei Opel am Fließband und hockt als Öko-Aktivistin (in Jute gehüllt) auf Plastikstühlen eines Gorlebener Eiscafés, es lungert unpolitisch in Prenzlau und Gelsenkirchen herum und rotiert bestens informiert durch die Innenstadt von Castrop-Rauxel. Sie alle müssen erreicht werden, wenn man verhetzen oder verführen will. Aber wenn man sie erreicht hat, ist es ganz leicht. Alle sind dumm. Alle sind verführbar – von Leuten wie Sarrazin zum Beispiel.

Der ehemalige Finanzminister von Berlin steht im Verdacht, ein übler Volksverhetzer zu sein. Was nichts anderes bedeutet, als daß sich das Volk von ihm verhetzen lassen könnte. Jeder Volksverhetzer braucht ein verhetzbares Volk. Das sind wir. Was ich persönlich beleidigend finde und mir nicht minder unangenehm ist.

Nun hat der Zentralrat der Juden, nachdem er wochenlang  geschwiegen und zugesehen hat, die Hitlerkarte gespielt. Der Zentralrat ist immer etwas zögerlich, wenn es nicht direkt um Juden geht. Wie jede Interessenvertretung setzt er sich erstrangig für seine Mitglieder ein. Das ist legitim. Zuerst wir, dann die anderen. Schwulenverbände schreien ja auch vornehmlich auf, wenn es um Belange von Schwulen und Lesben geht. Wann hat sich der Naturschutzbund zum letzten Mal für das Lebenspartnerschaftsgesetz interessiert?

Endlich hat er sich eingemischt, der Zentralrat. Hart und unerbitterlich. So kennen, lieben und schätzen wir ihn. Und dann muß da auch was dran sein, an dieser Volksverhetzer-Geschichte. Nix mit Dampfplauderer, sondern Hetzer! Sarrazin stehe in einer Reihe mit Göring, Goebbels und Hitler, meint Stephan Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats. Er hat bei Sarrazin eine geistige Nähe zu diesen drei Völkermördern ausgemacht. Und Kramer meint dies ohne Einschränkung und Abstufung.

Folgt man Kramers Logik, so handelt es sich bei Zeitschriften wie dem Stern um Hetzblätter, die in einer Reihe mit Faschistenzeitungen wie „Der Stürmer“ stehen. Schrieb der Stern doch erst am vergangenen Freitag „Sarrazin hat recht“. Und der SPIEGEL hat Thilo Sarrazin bis heute nicht zum Staatsfeind Nr. 1 erklärt. Was soll man auch von Magazinen erwarten, die in regelmäßigen Abständen irgendwas aus dem Dritten Reich aufs Titelblatt setzen oder versuchen, mit Hitler-Tagebüchern ihre Auflage zu steigern!

Menschen wie Sarrazin machen uns willen- und machtlos. Sie verhetzen und verführen uns. Doch wozu? Und wohin? In die Bundesbank? In den Krieg? In die SPD?

Ohne die Hilfe des Zentralrats, der Kirchen und all der vielen wichtigen Verbände, die uns Halt und Orientierung geben in diesen schlimmen Zeiten, fiele es uns sehr schwer, Gut von Böse, Richtiges von Falschem zu unterscheiden. Denn wir sind dumm.

Wir haben in zwei Weltkriegen und 60 Jahren Bundesrepublik nichts gelernt und müssen immer wieder auf den richtigen Weg zurückgeholt werden. Aus dunklen Wäldern und Untiefen rufen Bösewichte, die uns ins Gebüsch zerren und geistig vergewaltigen wollen. Wir sind geneigt, ihnen entgegenzueilen. Wir sind ihnen schutzlos ausgeliefert. Es ist Volkes Natur. Sarrazin soll so ein Vergewaltiger sein. So einer hat es leicht, denn wo er geht und steht, trifft er auf willenloses, hirnloses Fleisch, das alles glaubt, was es hört und sieht – auf uns eben.

Deutschland ist Hitler in den Krieg gefolgt. Heute kommt die Gefahr aus der SPD, könnte man meinen. Von Sarrazin. Sind Thilo Sarrazins Aussagen wirklich vergleichbar mit dem, was Rechtsradikale verbreiten, was Hitler und seine Schergen angestiftet haben und ein Großteil des deutschen Volkes bereitwillig in Untaten umgesetzt hat?

Und was ist mit denen, die Abend für Abend an deutschen Stammtischen Recht und Ordnung mit Füßen treten? Sie stehen ja nicht in der Öffentlichkeit, heißt es da gern. Wer in der Öffentlichkeit steht, habe eine besondere Verantwortung. In der Öffentlichkeit stehen nur einzelne. Das Volk sind Abermillionen. Sie sind die Öffentlichkeit, ohne die Sarrazin ins Leere plappern würde. Hat ein einzelner mehr Verantwortung als viele? Oder hat jeder dasselbe Maß an Verantwortung – für sich und andere?

Sarrazin hat gesagt, was mancher denkt und als wahr erkannt haben will. Wäre es besser, er hätte geschwiegen und es lediglich gedacht? Ist das Denken nicht die Wurzel des Übels? Gegen Gedanken, die man nicht kennt, kann man nicht aufbegehren!

Das Volk kann nicht denken, es ist dumm und manipulierbar in jedem Augenblick. Aber angenommen, wir wären frei und dächten, und angenommen, wir sagten, was wir dächten – wo führte uns das hin? Vielleicht zu Wahrheit und Klarheit, zur Klarheit darüber, wie wir wirklich sind? Und wie sähe diese klare Wahrheit dann aus?

Was geschähe, wenn Sarrazin uns alle dazu verführte, frei zu sagen, was wir denken? Was geschähe, wenn dann Gesagtes und Gedachtes deckungsgleich wären? Wenn es kein Verstellen und Vertuschen mehr gäbe? Wenn man rassistisches, menschenverachtendes Gedankengut sofort erkennen, frontal angehen und bekämpfen könnte? Und wenn die Welt durch Sarrazins ansteckender Offenheit besser würde, hätte er dann nicht den Friedensnobelpreis verdient?

Und nun Obama, der zehn Tage vor Ende der Nominierungsfrist für den diesjährigen Friedensnobelpreis sein Amt angetreten hat. Ein Wortkünstler, ein Verführer der Massen im besten Sinne. Er erhält den Nobelpreis für seine „außerordentlichen Bemühungen“. Ergo: Vorschuß statt Lorbeeren. Siegerehrung vor Zieleinlauf. Oscar-Verleihung bevor der Film abgedreht ist. Das Prinzip Hoffnung hat zugeschlagen.

Und das dumme Volk? Es jubelt nicht. Jedenfalls nicht so richtig. Es hat nicht verstanden, wie wichtig dieser Mann ist, wie richtig diese Ehrung. Obama selbst sagt, er habe diesen Preis nicht verdient, und das dumme Volk läßt sich tatsächlich dazu verführen, ihm zu glauben. Was will man auch von einem Volk erwarten, das nicht mal Herta Müller kennt?!

Nach dem Marathon der vergangenen Wochen genehmige ich mir bis Sonntag, den 11. Oktober eine kurze Auszeit.

Es ist viel liegengeblieben. Gedichte wollen geschrieben werden, Fragmente überarbeitet. Seit längerem denke ich auch über eine neue Ausrichtung der Erklaerung nach. Bislang konnte ich mich nicht dazu durchringen, dieses oder jenes zu ändern. Man tut sich schwer, an Bewährtem herumzuschrauben.

Bloggen ist ein kalter Sport.
Man muß aufpassen, nicht selbst so gänzlich kalt zu werden.

Im Netz zieht es an allen Ecken und Enden. Es weht ein rauer Wind. Dem sollte etwas entgegengestellt werden. Vielleicht Poesie. Warum nicht öfter ein Gedicht? Das Leben besteht doch nicht nur aus Politik, aus Rechts und Links, aus Pop, Krawall, Klamauk, neuen Anwendungen und Programmen – und schon gar nicht nur aus großen gesellschaftlichen Themen und Konflikten.

Es gibt auch Liebe, Romantik, Wehmut, Schmerz, Melancholie und Selbstzweifel… Selbstzweifel zu äußern, ist im Netz nicht gerade das Anliegen Nummer 1. Recht zu haben, ist vielen das Wichtigste.
Es mangelt an Zwischentönen.

Nicht alles muß sich so einfach einsortieren lassen. Nicht alles ist schwarz oder weiß. Grau muß nicht schlecht oder angepaßt sein. Im Gegenteil. Gerade das Unklare bringt manchmal Klarheit.
Das Rätselhafte ist interessant.

Wenn wir das Netz und gerade die Blogwelt an der wahren Welt da draußen messen wollen, wenn dies hier ein Spiegel des wahren Lebens sein soll, so müssen auch alle Themen angesprochen werden.
Der Versuch sollte gewagt werden.

So werde ich nachdenken.

Verflogen

Ich kann nicht mehr fliegen,
Hab’s einfach verlernt,
Und meine Ziele liegen
Weit, so weit entfernt.

Vielleicht könnte ich gehen.
Doch übers Meer? (Die Zeit ist vorbei!)
So bleibe ich hier stehen,
Flügellos und vogelfrei.

Ich stehe, wenn es stürmt,
Und stehe, wenn es schneit,
Und rings um mich, da türmt
Sich sandgewordne Zeit,

Die durch meine Finger rann
Und droht, mich zu begraben –
Ein Vogel, der nicht fliegen kann,
Den fressen bald die Raben.

Ich konnte einmal fliegen
In einem Traum um alle Welt,
Doch diese Träume liegen
Tot um mich, an mir zerschellt.

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Bundestagswahl 2009 Wahlsieger Guido Westerwelle

Wahlsieger Guido Westerwelle

Die FDP ist der Gewinner der Bundestagswahl 2009.
Es wird einen Regierungswechsel geben. Heute beginnt der Kampf nach dem Wahlkampf.

Der Souverän hat entschieden. Wer zu Hause geblieben ist, hat seine Chance verwirkt, diese Regierung zu verhindern.
72,5 Prozent der Wahlberechtigten haben ihr Recht genutzt, die Regierungsparteien abzustrafen, zu stärken oder ganz neuen Möglichkeiten die Tür zu öffnen.
Am Ende hat die bürgerliche Mehrheit gesiegt.

Aktueller Stand:

(Infratest dimap, 27.09.09, 23.54 Uhr)

CDU/CSU 33,8 Prozent (-1,4)
SPD 22,9 Prozent (-11,3)
FDP 14,6 Prozent (+4,8)
Grüne 10,7 (+2,6)
Linke 12 (+3,3)

Schwarz-Gelb hat eine Mehrheit – auch ohne umstrittene Überhangmandate, in denen der politische Gegner in den vergangenen Wochen einen zwingend notwendigen Mehrheitsbeschaffer erkannt zu haben glaubte und dementsprechend scharf kritisierte.

Schwarz-Gelb hat aus eigener Kraft gewonnen. Panikmache vor „sozialem Kahlschlag“ hat die BürgerInnen nicht abgehalten, sich genau für diese Konstellation zu entscheiden. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß diese und andere durchschaubare Kampagnen manchen Wähler zusätzlich angespornt haben, jetzt erst recht die Stimme den Liberalen oder der CDU/CSU zu geben. Der Souverän ist nicht so dumm, wie ihn mancher gerne haben möchte. Durchschaubares wird schneller durchschaut als manchem lieb ist.

Union und FDP erwägen eine Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke. Sie haben nie ein Geheimnis daraus gemacht. Und die WählerInnen haben sich dennoch für Union und FDP ausgesprochen. Klar und deutlich. Niemand kann nun sagen, er habe von nichts etwas gewußt. Es waren auch die fehlenden Antworten der SPD, die Schwarz-Gelb zur Macht verholfen hat. Konkrete Antworten darauf, was nach dem Atomausstieg 2021 kommt, und viele andere Antworten. Die SPD blieb sie schuldig.

Vor allem aber war es die Stärke der Liberalen, die Schwarz-Gelb möglich gemacht hat. In den vergangenen Jahren hat die FDP stetig an Mitgliedern und an Zustimmung bei der Bevölkerung gewonnen. Landtagswahl um Landtagswahl hat sich die FDP nach vorn gekämpft. Der gestrige Sieg ist der Sieg der Sieger. Der Sieg jener, die Etappe für Etappe gestrampelt haben, die einen Sieg nach dem anderen errangen.

Gestern haben die Liberalen das beste Bundestagswahlergebnis in ihrer Geschichte eingefahren. Guido Westerwelle, der in der Vergangenheit oft als Spaßwahlkämpfer tituliert wurde, dem man noch Jahre nach dem Guidomobil und seinem Besuch im Big-Brother-Container mangelnde Ernsthaftigkeit und fehlendes Profil vorwarf, ist nun auf dem besten Weg, Frank-Walter Steinmeier zu beerben, der bis dato das Amt des Außenministers innehat. Ob die FDP nur Westerwelle hat, wie nicht wenige behaupten, wird sich nun zeigen: Ministerposten sind zu besetzen.

Hermann Otto Solms, Cornelia Pieper, Rainer Brüderle, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und andere stehen bereit. Die sogenannte Westerwelle-FDP hat längst mehr zu bieten, als den Vorsitzenden selbst. Gewiß, der politisch Uninteressierte nahm in den vergangenen Jahren oft nur Guido Westerwelle war, was nicht zuletzt am erbärmlichen Umgang der Medien mit der Opposition lag. Alle Oppositionsparteien waren davon betroffen. Der Schatten der Großen Koalition war gewaltig.

Es wurde wie immer viel geredet und versprochen im Wahlkampf. Steinmeier und seiner SPD haben die Bürgerinnen und Bürger offenbar am wenigsten geglaubt. Er und seine Sozialdemokraten wurden abgestraft wie noch nie zuvor im Nachkriegsdeutschland. Diese Niederlage darf als Quittung für 11 Jahre Regierungsbeteiligung verstanden werden. Denn aus der Großen Koalition ist Angela Merkel beinah unbeschadet hervorgegangen. Wenn zwei bei Gewitter Händchen halten und der Blitz einschlägt, schadet er selten nur einem. Gestern schlug er aber nur bei den Sozialdemokraten ein. Und zwar mit aller Macht des Volkes.

Das Blitzlichtgewitter ist unterdessen weitergezogen. Wer das Medienaufgebot bei der Wahlparty der FDP unweit der Berliner Friedrichstraße live miterleben durfte, hat ein Lehrstück in Sachen Medien vorgeführt bekommen. Das Interesse an den Liberalen war enorm und Guido Westerwelle war für die Journalisten attraktiv wie nie zuvor. So ist das: Die Karawane zieht weiter, wenn die Oase verdorrt.

Steinmeier und Müntefering waren das Dörrobst des Abends. Insbesondere Franz Müntefering gab sich wenig Mühe, wenigstens nicht so auszusehen.

Nun liegen nach dieser Bundestagswahl zwischen FDP und SPD nur noch gute 8 Prozentpunkte. Und die Frage, wann eine Partei eine Volkspartei ist, ist heute aktueller denn je. Entscheiden darüber Wahlergebnisse oder Mitgliederzahlen?

Die drei kleinen im Bundestag vertretenen Parteien, DIE LINKE, die Grünen sowie die FDP, konnten Zuwächse verzeichnen, wobei die großen alten Elefanten verloren haben. Es ist wohl zu früh, von einem Trend hin zu den Kleinen, fort von den Großen zu sprechen. Aber das Votum ist allemal ein Warnschuß in Richtung Union und vor allem vor den Bug der SPD, die in den vergangenen Jahren allerlei Personal und am Ende sich selbst zerschlissen hat.

Die WählerInnen haben sich aufgrund der Koalitionsaussagen der Parteien bewußt für Schwarz-Gelb entschieden.

In den letzten Tagen des Wahlkampfs ist einiges aus dem Lot geraten, Schwarz-Gelb zu verhindern, wurde zum obersten Ziel erklärt. Man versuchte angestrengt, das schwarz-gelbe Gespenst am nächsten Baum aufzuknüpfen. Doch man hatte kein Gegengewicht.

Indes gerade die Liberalen einen Programmwahlkampf hinlegten, füllten die Sozialdemokraten ihre Rucksäcke mit heißer, abgestandener Luft von vorgestern, zogen durchs Land und versuchten, damit das Volk zu beeindrucken.

Diesem oder jenem ging es hierbei womöglich weniger um Land und Leute, sondern vielmehr um seinen Posten. Das eigene Hemd ist einem eben doch am nächsten. Verluste von 10 Prozent oder mehr bedeuten auch 10 Prozent weniger Abgeordnete, weniger Mitarbeiter in deren Büros. Und weniger Macht.

Um die Macht wird es vielen am meisten Leid tun. Wie sozial wird die SPD nun ihr Personal abbauen? Die SPD hat in den vergangenen 11 Jahren das Land so sozial gemacht, daß man sich über Mitarbeiter, die zwangsläufig abgebaut werden müssen, keine Sorgen machen muß. Und notfalls gibt’s Hartz IV. Auch so eine SPD-Idee. Gut gemeint. Schlecht gemacht. Wie so vieles in den letzten 11 Jahren.

Wer hätte gedacht, daß es FDP und Union wirklich schaffen werden? Wie oft konnten wir in den vergangenen Wochen von schrumpfenden Mehrheiten lesen? Als klar war, die SPD würde mit den Grünen keine Regierung bilden können, setzte die SPD alles auf eine Ampel. Doch Guido Westerwelle schloß diese Option in jedem Falle aus, so wie er es im Jahre 2005 ausschloß, Rot-Grün unter Gerhard Schröder zu verlängern. Auch dieses Worthalten haben die Wähler gestern honoriert.

Wo es Sieger gibt, gibt es auch schlechte Verlierer.

Wer in diesen Stunden vom Untergang des Abendlandes spricht, akzeptiert den Wählerwillen nicht und muß sich fragen lassen, ob er ein Demokrat ist. Es gibt kein Deuten. Jammern hilft nicht.

Wer heute schon von der schlimmsten aller Möglichkeiten spricht, sollte sich eine Glaskugel kaufen und auf den Jahrmarkt setzen. Kunststücke dieser Art sind beliebt, aber nutzlos und unproduktiv. Das Abarbeiten am Gegner verbessert nicht das eigene Programm.

Hellseher werden in den nächsten Tagen Hochkonjunktur haben. Viele Prophezeiungen werden durch die Medien geistern und im Internet kursieren. Viele werden etwas sagen, aber nur wenig wird wahr sein.

Das Gespenst Schwarz-Gelb wird weiter durchs Land getrieben werden, doch die Entscheidung ist gefallen. Keiner weiß, was morgen kommt. Noch regiert Schwarz-Gelb nicht. Abwarten heißt das Gebot der Stunde. Hat nicht jeder eine Chance verdient? Die SPD hatte drei.

Ralf Möller

Sieg der Sieger. Und Ralf Möller war auch da.

Fotos: Matthias Schumacher

Bundestagswahl 2009, Prognose Matthias Schumacher, Die Erklaerung

Muffensausen

Bundestagswahl 2009Es ist der Tag vor dem Tag vor dem Tag danach. Schlaflosigkeit breitet sich aus in der Bundesrepublik Deutschland. Wird es denn reichen? Ist Schwarz-Gelb in den vergangenen Tagen wirklich geschrumpft? Gibt es eine Neuauflage der Großen Koalition? Was werde ich für meine Stimme bekommen? Man weiß es nicht. Und das macht einen wahnsinnig.

Deutsche Betten werden zu Zentrifugen. Allerorts wird rotiert.

SPD-Wähler wollen keine unionsgeführte Regierung. Steinmeier ist ihr Kandidat. Hubert Kraxlhuber, bekannt aus „Der Preis ist heiß“, würde wohl Schwarz wählen. Und was würde er sagen, wenn er plötzlich Rot-Rot-Grün bekäme? Er würde jodeln, wie er es immer tat. Aber Rot-Rot-Grün ist ausgeschlossen, genau wie die Ampel. Für Rot-Grün wird es ohnehin nicht reichen.

Man kann davon ausgehen, daß sich die Spitzenkandidaten schlaflos in den Betten wälzen werden – in dieser letzten Nacht. Mit wem auch immer. Aber es ist doch längst alles gelaufen. Wer heute entschieden ist, wird sich nicht mehr umentscheiden. Und wer unentschieden ist? Vielleicht regnet es morgen ja doch Hunde und Katzen und die Leute bleiben zu Hause, gucken lieber Fernsehen oder nieten ein paar Leute bei Counter-Strike um. Die Schulen sind ja morgen geschlossen oder wurden zu Wahllokalen umgebaut. Und es geht eh kaum einer wählen. Amokläufe lohnen morgen nicht.

Alle, alle fiebern. Und Osama fiebert mit. Denn auch der Taliban will mitbestimmen und am liebsten alle umnieten. Zur relativ normalen Aufregung kommt die „aktuelle Bedrohungslage“. Es scheint, als tauchten im Stundentakt neue Drohvideos auf. Wird Bin Laden manchen Wähler zu den Linken treiben, die ja einen sofortigen Abzug deutscher Truppen aus Afghanistan fordern? So hätten es Osama und Oskar gern.

Vielleicht sollte man ja morgen besser zu Hause bleiben, man kann ja eh nichts ändern. Die „da oben“ machen doch eh, was sie wollen.

Nein, sie kommen nur nach „oben“, wenn wir sie nach „oben“ wählen oder aus Frust oder Gleichgültigkeit gar nicht wählen. Jede Stimme ist auch eine Gegenstimme. Wer sich für eine Partei und einen Kandidaten entscheidet, stimmt zugleich gegen alle anderen. Ist das nicht verlockend?

Weder Resignation, Angst noch der Taliban darf die Wahl gewinnen! Und wer nicht wählt, verpaßt die große Chance, es „denen da oben“ mal so richtig zu zeigen. Wie wäre es, wenn wir „hier unten“ einfach mal machen, was wir wollen, und ankreuzen, was wir wollen? Wir wollen doch was. Oder?

Die Ziehung des 17. Deutschen Bundestags beginnt um 8 Uhr. Um 18 Uhr werden die ersten Zahlen bekanntgegeben. Wer wird den Jackpot knacken?

WÄHLEN GEHEN!

Piraten entlarvt

Ab der 50. Sekunde stellt Dr. Udo Brömme zwei Piraten einige Fragen.
Die Antworten sind wenig überraschend.

Wolfgang Clement

Der ehemalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Superminister für Wirtschaft und Arbeit der Regierung Schröder ist wieder da. Der seit November letzten Jahres parteilose Clement hat vor wenigen Stunden eine Erklärung abgegeben, in der er sich deutlich für die FDP ausspricht.

Der einstige SPD-Frontmann findet klare Worte für Bildung, Fortschritt und freie Forschung, gegen staatliche Gängelung und gegen DIE LINKE, die Clement schon lang ein Dorn im Auge ist. Eine Kritik, die wohl auch und vielleicht sogar vor allem an die Adresse von Oskar Lafontaine gerichtet sein dürfte.

Lafontaine, der einst auch bei der SPD groß geworden ist und nun politisch hyperaktiv gegen seine alte Partei angeht. Oskar Lafontaine hätte ebenso wie Clement parteiloser Kritiker bleiben können, aber machtbesessene Profilneurotiker sind kaum aufzuhalten.

Wolfgang Clement ist trotz deutlicher Einladung zum Eintritt in die FDP, ausgesprochen von deren Vize Rainer Brüderle, bis heute parteilos geblieben, auch wenn seine Sympathien für die Liberalen längst kein Geheimnis mehr sind.

Manchmal scheint es mir, als müsse man sich in diesem Land entschuldigen, wenn man liberal denkt, fühlt und handelt. Die Intoleranz gerade aus dem linken Spektrum für eine freiheitlich-tolerante Einstellung ist mir ein unlösbares Rätsel.

Man kann über vieles reden, Programme kontrovers diskutieren, das Denken und Handeln von Personen kritisieren, aber Kampagnen, in denen Menschen für nahezu unzurechnungsfähig erklärt werden, gehen über mein Verständnis hinaus.

Wie oft mußte ich es selbst erleben, daß Linke einen nicht einmal ausreden lassen, obwohl man selbst doch zu verstehen versucht und mit Argumenten dagegen hält. Es gibt viele Vorurteile gegenüber den Liberalen, viele Lügen, Unwissen und viel Dummheit, die nicht lernfähig ist, die auf stur stellt, sobald ein Liberaler den Raum betritt.

Clement wird bei der Bundestagswahl mit seiner Stimme Guido Westerwelle unterstützen.

Seine Argumente sind nachvollziehbar und sein Handeln legitim. Als Parteiloser kann er sich für jede Partei und jeden Kandidaten aussprechen, wie es ihm beliebt. Und für dieses gute Recht sollte auch jeder Linke kämpfen. Freie Meinungsäußerungen sind jedem erlaubt in diesem Land, es ist ein Recht, um das uns viele in der Welt beneiden, ein Recht, das es zu verteidigen gilt, auch wenn einem die andere Meinung nicht paßt.

Demokratie ist kein Kinderspiel, es ist harte Arbeit und setzt Toleranz und den Willen zur Akzeptanz voraus. Maulkörbe dürfen nicht toleriert werden. Die Menschen sind eben nicht alle gleich und sie denken nicht alle dasselbe. Wie arm wäre diese Welt, wenn es so wäre! Vielfalt macht die Demokratie erst lebendig.

Diese Vielfalt zu bewahren, ist unser aller Aufgabe.

Clement für Westerwelle. Na und?!
Andere sind für Merkel oder Steinmeier, für Künast oder Gysi. Na und?!

Hier Wolfgang Clements Statement im wortlaut:

Deutschland muss nach meiner Überzeugung wieder ein Land des Fortschritts werden,

- in dem die verantwortete Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Entwicklung uneingeschränkt gewährleistet wird;

- in dem die Energie-, Klima- und Industriepolitik gemeinsam dem ökonomischen und ökologischen Fortschritt dienen und nicht das eine zu Lasten des anderen bedient wird;

- in dem Bildung, Qualifizierung und lebenslanges Lernen absoluten Vorrang genießen und deshalb auch in die bundespolitische Verantwortung gehören, die völlige Föderalisierung von Schulen und Hochschulen also schleunigst korrigiert werden muss;

- in dem staatlicher, gesetzgeberischer und bürokratischer Gängelung und Überregulierung ein Ende bereitet und

- in dem alles getan wird, um möglichst allen Bürgern die Augen vor dem unverantwortlichen Populismus der PDS/Linken zu öffnen.

Dafür unterstütze ich bei dieser Wahl mit meiner Stimme DR. GUIDO WESTERWELLE.

Foto: 96dpi (flickr)

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