Nun ist es wahr >>>
Bis zum 17.03.2010 wird hier pausiert. Hinter den Kulissen geht es weiter.
Kontaktaufnahme im Kommentarbereich oder per Mail (siehe “Info & Kontakt“).
Bis zum 17.03.2010 wird hier pausiert. Hinter den Kulissen geht es weiter.
Kontaktaufnahme im Kommentarbereich oder per Mail (siehe “Info & Kontakt“).
Veröffentlicht in Januar 2010 | Kommentar schreiben »
Jerome David Salinger ist tot. Holden Caulfield lebt.
Das Geheimnis des Sees im Central Park wird auch ihn überdauern …
“Haben Sie die Enten dort gesehen? Im Frühling oder so? Und wissen Sie zufällig, wo die im Winter hinkommen?”
“Wo wer hinkommt?”
“Die Enten. Wissen Sie das zufällig? Ich meine, holt sie wohl jemand mit einem Wagen oder fliegen sie von selbst fort — in den Süden oder so?”
Aus: Der Fänger im Roggen

Foto: Ducks & snow in Central Park von xymox (flickr)
Veröffentlicht in Januar 2010 | Verschlagwortet mit Caulfield, Fänger im Roggen, Salinger, The Catcher in the Rye | 3 Kommentare »
Interview: Matthias Matussek schreibt sich nach dem Studium der Amerikanistik und der Vergleichenden Literaturwissenschaften vom Berliner Abend, über den TIP bis zum Stern. Nach einem “Angebot, das er nicht zurückweisen konnte”, arbeitet Matussek ab 1987 für den SPIEGEL.
Bis 2003 leitet er in Folge die Korrespondentenbüros New York, Rio de Janeiro und London.
1989 wird das Berliner Palasthotel im Zentrum der umstürzenden DDR Matusseks vorläufiger Arbeitsplatz.
Dort entsteht u.a. die Reportage “Rodeo im wilden Westen”, die ihm zum Egon-Erwin-Kisch-Preis verhilft.
Zwischen 2003 und 2007 zeichnet er als Chef des SPIEGEL-Kulturressorts verantwortlich.
Noch während dieser Zeit etabliert er das Video-Blog “Matusseks Kulturtipp“, hierfür erhält er 2008 den Goldenen Prometheus des Medienmagazins V.i.S.d.P. Matthias Matussek: Kulturjournalist.
Matthias Schumacher (MS): Sie arbeiten für Print und Internet. Wovon können Sie besser leben?
Matthias Matussek: Vom Print. Das Internet generiert noch immer kaum Gewinne.
MS: Muß sich eine Branche wundern, die über Jahre kostenpflichtige Print-Inhalte gratis ins Netz gestellt hat? Wie lange wird es nach Ihrer Meinung SPIEGEL ONLINE so noch geben?
Matussek: SPON ist nun gerade einer der Fälle, die schwarze Zahlen schreiben.
MS: Die Auflagen sinken. Die alten Medien sterben. Auf der anderen Seite sterben die Blogs. Ist es nicht Zeit für einen “Vertriebenenverband 2.0″?
Matussek: Ich glaube, es ist voreilig, den “alten Medien” die Sterbeglocke zu läuten. Qualitätsjournalismus kann auch das Internet nicht ersetzen, was die Erfolgsstory etwa des “Economist” beweist. Aber selbstverständlich stünde ich als Präsident von Vertriebenen-Verbänden jederzeit zur Verfügung, vorausgesetzt, ich darf es gemeinsam mit Frau Steinbach machen.
MS: Ihr aktuelles Buch “Als wir jung und schön waren” gibt es natürlich sowohl in gebundender Ausgabe als auch in e-Book-Form. Preis jeweils 19,90 Euro. Obwohl bei e-Books u.a. Druck- und Lieferkosten entfallen. Wann haben Sie zum letzten Mal gegen die Buchpreisbindung aufbegehrt?
Matussek: Ich halte 19,90 für dieses Buch absolut angemessen. Man muss es in die Hand nehmen, es befühlen, die Fotos anschauen. Manche kann man ausmalen. Dieses Buch ist ein sinnliches Gesamterlebnis, das sich als e-Book kaum vermitteln ließe.
MS: Ganz gleich, ob nun e- oder Holzbook. Warum sollte die Nation Ihr Buch in jedem Falle kaufen und lesen?
Matussek: Schon die schöne Geschichte über mein Idol Heinrich Heine wäre ein ausreichender Grund. Dazu ein paar gelungene Kurzgeschichten. Zudem: Es will doch jeder wissen, wie es in einem indischen Knast zugeht, oder?
MS: Wie war das denn mit Rainer?
Matussek: Welcher Rainer? (siehe Leseprobe, Anm. MS)
MS: Sie sprachen eben vom Befühlen, vom Haptischen. Gibt es etwas, das Ihnen virtuell mehr Freude macht als in der Realität?
Matussek: Ich war gestern in “Avatar”. Ein unglaublicher Trip. Der Film sieht aus wie ein “Uriah Heep”-Cover aus den frühen 70ern. Irgendwer in dem Film sagt: “Was habt ihr denn geraucht?” Man sieht, James Cameron kommt aus der Hippie-Ära, und die hat sich längst eingeübt in Gegenwelten. Ohne virtuelle Welten, ohne Fantasy, kommt keiner aus.
MS: Ihr Freund und Kollege Frank Schirrmacher (50) ist mit dem Internet überfordert. Matthias Matussek (55) treibt sich bei Facebook und Twitter herum wie ein Mittdreißiger. Wie kommt’s?
Matussek: Weil ich in Wahrheit 16 bin, und damit 34 Jahre jünger als Schirrmacher. Ich finde übrigens, daß Schirrmacher ein sehr gutes Buch geschrieben hat und mit seinen Warnungen völlig recht hat.
MS: Warum dann Spott und Häme?
Matussek: Das müssen Sie die fragen, die spotten. Ich glaube, die sind einfach nicht in der Lage, intellektuell Schritt zu halten.
MS: Wie organisieren Sie sich, um nicht unter die Räder der Moderne zu geraten? Und bitte lassen Sie die Mär von der stärkeren Frau hinterm starken Mann weg.
Matussek: Für mich ist die starke Frau keine Mär, aber an meinen Computer lasse ich sie nicht. Sie hat ihren eigenen.
MS: Die einseitige Kommunikation mit dem alten Geheimrat Goethe ist ein wesentlicher Bestandteil Ihrer Internetauftritte. Woher rührt seine Sprachlosigkeit?
Matussek: Das frage ich mich auch. Als ich ihn gecastet habe, hat er geredet wie ein Wasserfall. Darüber, was er alles verändern möchte in diesem Land. Wie er die Bildung fördern möchte etc., sobald er erst mal Kanzler ist. Das alles übrigens gereimt. Und plötzlich: sprachlos. Ich vermute, die Deutschen waren ihm einfach zu dumm.
MS: Ihre Videos gibt es im modernen Unter-10-Minuten-Format. In einer Information der Spiegel-Gruppe heißt es: “Im Durchschnitt lesen die SPIEGEL-Leser ca. zweieinhalb Stunden pro Heft.” Was sind das eigentlich für Leute, die heute noch so viel Zeit haben?
Matussek: Analysen ergeben: Besserverdienende mit solider Bildung zwischen 30 und 50 Jahren.
MS: Heißt: Der Leistungsträger, der 50 Stunden und mehr rackert, enspannt sich bei Bildung. Ist das nicht ein Argument für einen Zwangsarbeitsdienst für Hartz-IV-Empfänger? Zur Bildung durch Erschöpfung. Fehlt nur noch die entsprechende Bezahlung.
Matussek: Es wäre sicher eine vernünftige Maßnahme, Arbeitslosen, unter denen übrigens auch sehr viel arbeitslose Akademiker sind, den SPIEGEL zu subventionieren.
MS: Am Ende Ihres jüngsten Blog-Videos entwerfen Sie ein Drehbuch, in dem sich eine “zarte Liebesgeschichte” zwischen Veronika Ferres und Helmut Markwort auf einer Alm entspinnt. Wo sehen sie Guido Westerwelle und Erika Steinbach?
Matussek: Die sind ins Dorf geschickt worden, Proviant holen. Aber da sie sich nicht über den Weg einigen konnten, werden die beiden oben wahrscheinlich verhungern. Aber die sind ja gut gepolstert.
Matthias Schumacher: September letzten Jahres ließen Sie uns wissen, wie Sie “aus Versehen ein Linker” wurden. Was ist mit Ihnen in den vergangenen 100 Tagen passiert?
Matthias Matussek: Wieso, bin ich wieder rechts? Ich komm’ gar nicht mehr nach bei mir.
Vielen Dank für das Interview!
Mehr: Website Matthias Matussek, Matusseks Kulturtipp
Veröffentlicht in Interview, Januar 2010 | 3 Kommentare »
Mit “John & Ronny” haben die Synchron- und Werbesprecher Jeffrey Wipprecht und Tobias Diakow endlich das Hörspiel ins Web 2.0 (zurück)gebracht. Angestaubt war gestern! Das dritte Jahrtausend ist da – und mit den Mitteln und Möglichkeiten des dritten Jahrtausends entstanden bislang sechs Episoden, bei denen Cineasten und Blockbuster-Fans voll auf ihre Kosten kommen. Professionell und in hervorragender Tonstudioqualität. Manches dürfte Ihnen bekannt vorkommen – und das ist voll die Absicht, ey! Augen schließen und mal wieder die Phantasie spielen lassen… Wider die permanente Visualisierung. Hörst Du?! Yalla, yalla!
Proben gefällig?
“Dr. Emmet Brown hat die beiden Helden in ein fernes Land gebracht und nun steht ihnen ein harter Kampf gegen dunkle Mächte bevor. Doch nicht nur das … ein riesige Flutwelle rast direkt auf New York City zu!”
John & Ronny treffen in dieser Folge auf einen schrumpligen Außerirdischen. Wer ist dieses Wesen? Wo kommt es her? Und vor allem…was will es von John & Ronny? …
Links: John & Ronny – YouTube-Kanal, Offizielle Website
Veröffentlicht in Januar 2010 | 1 Kommentar »

Fünf, zehn, zwanzig oder gleich 100 Euro? Spenden kann man ja von der Steuer absetzen. Wir sind gute Menschen und uns geht es gut. Wir helfen gern. Sieht ja auch schlimm aus. Ja, es ist schlimm! Das Erdbeben von Haiti, die Nachbeben, die Verwüstungen, die Versorgungslage, Tod und Elend – manchmal reicht das Wort Katastrophe nicht aus.
Seit Tagen werden uns in allen Medien Bilder von eingestürzten Häusern, zerstörten Wohnvierteln, Schutt, Müll, toten und teils schwer verletzten Menschen serviert. Aufnahmen, die nicht nur das Ausmaß der Grauens dokumentieren, sondern auch zum Spenden animieren sollen.
Nahezu alle Hilfsorganisationen arbeiten mit diesen Fotos. Unicef, DRK, Aktion Deutschland Hilft usw. Beliebtestes Motiv: Verletzte Kinder, idealerweise mit Kopfwunde und Verband, in jedem Fall Kopf, ganz nah, um die ängstlichen, traurig fragenden Äuglein so richtig wirkungsvoll in Szene setzen zu können.
Und wenn man sich wie das amerikanische Rote Kreuz ein wenig mit Photoshop auskennt, kommt es noch viel besser:
Wir wissen: Kinder sind bei allen Kriegen und Naturkatastrophen immer diejenigen, die am härtesten getroffen werden. Das Leid eines Kindes, das mit einem Schlag beide Elternteile, ja vielleicht alle Verwandten verliert, ist unermesslich. Wir wissen es! Niemand muss uns daran erinnern. Doch die Bilder sprechen eine andere Sprache. Auf jedem verletzten Kindgesicht liegt ein flehendes “Hilf mir! Vergiss mich nicht!” Brauchen wir diese Erinnerungs-Fotos?
Willkommen im Spendenwunderland!
Süße Rettungshunde werden zu Superstars, wie gestern abend bei Markus Lanz im ZDF, als ein Hund, der gerade vom Dienst aus Haiti zurückgekommen war, für seine Leistung ein extra herzliches Applausleckerchen bekam. Wie hat ihn das gefreut!
Unlängst hat sogar ein deutscher Hund eine Frau aus den Trümmern gerettet. Ein deutscher Hund. Ein Hund von hier! Dass das Tier Pablo und nicht Angela oder Guido heißt, sei ihm verziehen. Hauptsache, es ist Deutscher! (Und reinrassig.) Trotzdem: Schäferhund wäre besser gewesen. Nicht für die gerettete Frau, sondern für die BILD.
Ja, die vielen kleinen und großen Wunder! Gute Nachrichten werden zu Floskeln: “Noch immer werden Menschen geborgen”, die “tagelang ohne jede Nahrung und bei 35 Grad verschüttet waren!” Wie auch eine Freundin der TV-Journalistin Sabine Christiansen, die sofort zum nichtssagenden Brisant-Interview geladen wurde und prompt ihre überschwengliche Freude kundtat. Damit hatte keiner gerechnet! Die Gerettete war übrigens Deutsche. Über die Nationalität der Retter ist leider nichts bekannt.
Bild.de stellte nun die Frage aller Fragen:
Doch wie viele Deutsche liegen noch unter den Trümmern?
Überall menschelt es. BILD und bild.de taumeln seit den ersten Erdstößen zwischen Entsetzen und Freudentränen. Vorläufiger Höhepunkt: Die unter Springer-Schirmherrschaft stehende ZDF-Gala “Ein Herz für Kinder” mit einem Traumspendenergebnis von über 20 Mio. Euro. Kinderaugen ziehen eben. Und Promis:
Wer war nicht alles da! Der Gottschalk, die Connor, mindestens ein Klitschko, die Uschi Glas… die Supernanny und Sarah Wiener natürlich auch. Alle ganz anlassgemäß freudestrahlend. Wer Gutes tut, der ist gut drauf. Uns hat das Erdbeben ja verschont, wir sind demonstrativ anwesend, spenden, werden gesehen und die Sache hat sich. Unser Leben geht weiter.
Gutes kann man auch im Stillen tun. Warum soll man es nicht zeigen?
Die Darstellung von Leid ist ein legitimes Instrument,
aber zur Instrumentalisierung ist es nicht weit.
Der Zweck heiligt die Mittel. Vielleicht brauchen wir tatsächlich den Anblick von Uschi Glas und aufgeplatzten Kinderschädeln, damit wir die Brieftasche öffnen. Ich glaube es nicht.
Veröffentlicht in Januar 2010 | Verschlagwortet mit Erdbeben, Haiti, Port-au-Prince | 5 Kommentare »
Klientelpolitik?
Solarunternehmen, Gewerkschaften, Autohersteller, Rentner, Bergbau, Atomindustrie, Mittelstand, Wohlfahrtsverbände, Arbeitslose, Tierschützer, Vertriebenenverbände, Migranten, Schwule und Lesben, Raucher, Nichtraucher, Katholiken, Apotheker… Kinder, Kinder!
(Aber die nehmen alle auf den Arm.)
Bitte ordnen Sie die übrigen selbst den Parteien zu!
Jede Klientel, jede Gruppe hat ihre mehr oder weniger berechtigten Interessen.
14,6 Prozent für die FDP bei der Bundestagswahl. 6,3 Mio. Zweitstimmen. Verdammt, haben wir viele Hoteliers in diesem Land!
Wer Parteien als reine Klientelbefriedigungsmaschinen bezeichnet, verunglimpft den Wähler.
Seit Tagen stehen die Liberalen unter Beschuss. 1,1 Mio. Euro hat die Substantia AG der FDP innerhalb eines Jahres zukommen lassen. Alles ganz legal, ordentlich verbucht, beim Bundestagspräsidenten angezeigt. Besser geht’s nicht. Substantia gehört mehrheitlich dem Milliardär August Baron von Finck. Fincks Familie betreibt in Deutschland 14 große Hotels.
Nun hat vor allem die FDP bei den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen auf den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für das Hotel- und Gaststättengewerbe gedrungen. Und da 1 und 1 nur 2 sein kann, schreit die Opposition seit Tagen auf: zurückgeben, zurücknehmen, am besten zurücktreten. Aber 1 und 1 ist nicht immer 2.
Gedankenexperiment Commerzbank:
Im März 2008 hat das bereits angeschlagene Unternehmen an die Regierungsparteien SPD und CDU jeweils 100.000 Euro gespendet. Natürlich ohne Gegenleistungen zu erwarten. Im Dezember desselben Jahres muss die Commerzbank den staatlichen Sonderfond für Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) in Anspruch nehmen. 8,4 Milliarden Euro an stillen Einlagen. Lästiges Detail:
Die Rückzahlung der stillen Einlage erfolgt zum Nominalwert. Diese Konditionen wurden erst nach Verhandlungen der Bundesregierung mit der Europäischen Kommission festgelegt, da die anfangs vereinbarten Konditionen der SoFFin mit der Commerzbank in den Augen der Europäischen Kommission zu günstig waren… (Wikipedia)
Zu günstig. Aha! Man könnte wieder einmal 1 und 1 zusammenzählen und meinen: Da wollte sich wohl jemand dankbar zeigen. Zeitnah waren die Spenden allemal. Aber solche Gedankenspiele sind abwegig und gehören ein und für allemal ins Reich der Spekulation verbannt. Für ein politisches Skandälchen würde es vielleicht reichen. Ist zwar nichts passiert, aber wen interessiert das schon?
Und wie verhält es sich eigentlich mit den Spenden der Autoindustrie vor und während der Krise? 5 Mrd. Euro hat die Abwrackprämie der Branche in die leeren Kassen gespült. Selbstverständlich haben auch die Arbeitnehmer profitiert. Ist die CDU jetzt wirklich die neue Arbeiterpartei? Und welche Rolle spielt die SPD?
Wer sich etwas zurechtkonstruieren will, dem gelingt es auch.
Da lobt man sich Unternehmen wie die Allianz, die alle im Bundestag vertretenen Parteien (bis auf DIE LINKE) nahezu gleichmäßig versorgt. Man weiß ja nie, was noch alles kommt! Obwohl die FDP in diesem speziellen Fall eine Klage wegen Diskriminierung erwägen sollte.
Klaus Ernst von der LINKEN macht es sich wieder einmal ganz einfach: Parteispenden von Unternehmen verbieten! Wie sich die Parteien danach finanzieren sollen, bleibt unbeantwortet. Wie immer bei den LINKEN wird dann wohl wieder der Steuerzahler ran müssen. Oder die Reichen, die Unternehmen, die ja dann noch reicher sind und sich das Geld wieder von den Kunden zurückholen. Am Ende zahlt immer der Bürger.
Die FDP hat gestern mit einer Pressemitteilung das Kapitel für sich abgeschlossen.
Darin heißt es:
Der behauptete Zusammenhang zwischen Spenden der Substantia AG in den Jahren 2008 und 2009 und der gemeinsamen Forderung von Union und FDP, dem Übernachtungsgewerbe den ermäßigten Mehrwertsteuersatz zuzugestehen, ist frei erfunden. Die Substantia AG ist – anders als behauptet – an Hotelbetrieben nicht beteiligt. Richtig ist im Übrigen, dass die FDP-Bundestagsfraktion mit ihrem Tourismuskonzept schon im Jahr 2000 für diese Ermäßigung eingetreten ist. Die Bundespartei hat diese Forderung in ihrem Programm “Arbeit hat Vorfahrt” zur Bundestagswahl 2005 erstmals – also lange vor der Spende der Substantia AG – aufgenommen.
Das Programm “Arbeit hat Vorfahrt” (2005, S. 11, unten, PDF)
1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8. Acht! Acht Jahre liegen zwischen den Teilspenden der Substantia AG und dem Tag, an dem irgendeinem liberalen Kopf die Idee von der ermäßigten Mehrwertsteuer in den Sinn kam. Zeitnah ist das nicht. Seit wann wird eigentlich rückwirkend bestochen? Wer bezahlt freiwillig für etwas, das er kostenlos bekommen kann? Wer besticht seinen Zeitungsjungen mit 1000 Euro für den Einwurf einer kostenlosen Wochenzeitung?
Seit beinah zehn Jahren ist die nun in den Koalitionsvertrag eingegangene Forderung ein Kernthema liberaler Politik, ebenso wie das berühmte “niedrigere, einfachere und gerechtere Steuersystem” – beides musste in den Koalitionsvertrag, weil viele Wähler darauf bauten, darunter auch Spender.
Aber was nutzen Spenden ohne Macht? Macht verleiht in einer Demokratie der Bürger, wer ihn enttäuscht und nur Spender befriedigt, wird schnell keine politische Rolle mehr spielen. Und wer keine Rolle mehr spielt, verliert seine Spender. Die unbedingte Erfüllung des Wählerwillens hat also direkten Einfluss auf die Parteifinanzen. Im Grunde ein Idealzustand.
Die breite Masse gehört weder einer Partei an, noch spendet sie in einem Umfang, der eine Partei in irgendeine Richtung bewegen könnte. Das ist gut und richtig, denn Politik soll zum Wohle aller und nicht zur persönlichen Belustigung oder Bereicherung einzelner gemacht werden.
Wer kam noch gleich auf die Idee mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz für die Hotel- und Gastronomiebranche? Wer war dafür, wer war schon immer dagegen? Jörg van Essen (FDP) hat ein wenig recherchiert und kam zu überraschenden Ergebnissen.
Aus dem vorläufigen Plenarprotokoll der 14. Sitzung des Deutschen Bundestages, 19.01.2009.
Update: Das entgültige Protokoll ist als PDF online. Van Essens Rede ab S. 7.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben Begründungen gehört, warum heute sofort über die Frage des reduzierten Mehrwertsteuersatzes diskutiert werden muss. Diese Notwendigkeit besteht nicht, wie ich Ihnen jetzt ganz schnell darlegen werde.
(Zurufe von der SPD: Oh! Oh! – Sehr interessant! – Lachen bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Mit dieser Frage hat sich unter anderem die Partei Die Linke befasst. Auf Seite 30 des Bundestagswahlprogramms der Linken, das mir vorliegt,
(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN – Dr. Ilja Seifert (DIE LINKE): So ist es richtig! Das ist ja schon mal ein Anfang!)
fordert sie den ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7 Prozent für Hotellerie und Gastronomie;
(Dr. Dagmar Enkelmann (DIE LINKE): Nein! Nein! So nicht!)
exakt so ist es.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Widerspruch bei der LINKEN – Dr. Wolfgang Gerhardt (FDP), an die LINKE gewandt: Aha! So ist das also! Jetzt seid ihr endlich einmal aufgefallen!)
Mir liegen die tourismuspolitischen Leitlinien der SPD aus dem Jahre 1998 vor.
(Zuruf von der SPD: 1998? Wie aktuell!)
Darin fordert die SPD den halbierten Mehrwertsteuersatz für Gastronomie und Hotellerie.
(Heiterkeit und Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Mir liegt der Antrag des Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag, Franz Maget, und der Fraktion der SPD vom 18. Januar 2006 vor. Er hat folgenden Inhalt:
Die Staatsregierung wird aufgefordert, ihren Einfluss dahin gehend geltend zu machen, dass der Bund für die Hotellerie den reduzierten Mehrwertsteuersatz in Höhe von 7 % einführt.
So viel zur SPD.
(Heiterkeit und Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Aber am allerschönsten sind die Grünen. Die Fraktion der Grünen im Bayerischen Landtag hat am 22. April letzten Jahres mit breiter Mehrheit die Einführung eines ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Gastronomie und Hotellerie gefordert.
(Heiterkeit und Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Und wo sind die Spenden dazu? Floss damals Geld?)
Weil das, was der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen im Bayerischen Landtag dazu ausgeführt hat, richtig ist, würde ich ihn gerne persönlich zitieren:
Wir setzen uns ein für die Einführung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Gaststätten und Hotels, nicht weil wir uns dadurch dann spürbar niedrigere Preise für die Gaststätten- und Hotelgäste versprechen, sondern weil wir uns Impulse erwarten … in der Frage reguläre Arbeitsplätze … und … im Hinblick auf den dringend zur Beseitigung anstehenden Investitionsstau … . Auch geht es um … Wettbewerbsgleichheit im grenznahmen Raum wie in Metropolen.
Außerdem weist er darauf hin, dass 22 der 27 EU-Mitgliedstaaten den ermäßigten Mehrwertsteuersatz eingeführt haben.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, in Anbetracht dessen, was ich gerade vorgetragen habe – die Linken fordern den ermäßigten Mehrwertsteuersatz, die SPD fordert den ermäßigten Mehrwertsteuersatz,
(Dr. Frank-Walter Steinmeier (SPD): Nein! – Weitere Zurufe von der SPD: Tun wir nicht! – Stimmt nicht! – Das ist nicht wahr!)
bei den Grünen gibt es welche, die ihn absolut befürworten -, muss ich sagen: Die Gründe, die Sie vorgetragen haben, warum dieses Thema heute zu debattieren ist, gibt es offensichtlich gar nicht.
(Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Die interessante Frage ist ja, warum Sie diese Auffassung zur Parteimeinung gemacht haben, Herr van Essen!)
Ich weise alle Vorwürfe, die Sie erhoben haben, mit Nachdruck zurück.
(Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Na gut! Und jetzt zum Geld, Herr van Essen!)
Der Skandal ist nicht, dass eine Parteispende angenommen und ordnungsgemäß deklariert worden ist, sondern der Skandal ist das, was Sie hier und heute präsentieren.
Vielen Dank.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Lachen bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN))
Hier das Wahlprogramm der LINKEN (S. 30, PDF).
Foto: liberale, .joerg-van-essen.de
Veröffentlicht in Januar 2010 | Verschlagwortet mit FDP, Politik | 12 Kommentare »
Fotomontage: Matthias Schumacher
Unter Verwendung der flickr-Fotos von
World Economic Forum, Wolfgang P. Vogt, Stadtkatze
Veröffentlicht in Januar 2010 | Verschlagwortet mit Fotomontage, Politik, Satire | 1 Kommentar »
Auf der Website von ffe media erfahren wir:
Müsste es nicht Ver- oder Wegsehgesicht heißen?
Präzise Beschreibungen wie diese sollten Schule machen:
Kommissar Derrick, bekannt aus der Krimireihe “Derrick”.
Die ZDF-Nachrichtensendung “heute” präsentiert im ZDF Nachrichten von heute.
Bei “Deutschland sucht den Superstar” sucht Deutschland den Superstar.
“Die Schwarzwaldklinik” – Geschichten rund um eine Klinik im Schwarzwald.
“Lindenstrasse” ist eine Serie von Hans W. Geißendörfer, die in einer Straße namens Lindenstrasse spielt.
Weitere Vorschläge?
Veröffentlicht in Januar 2010 | Verschlagwortet mit TV | 4 Kommentare »
Am Anfang stand ein gar schrecklich singender Sesamstraßen-Veteran im Blog von Stefan Niggemeier. Soweit recht harmlos. Doch dann ließ ich mich hinreißen. Die Reaktion folgte prompt.
Nie zuvor hatte ein Kommentar düstere Nachwirkungen. Denn nun haben wir zwei gar schrecklich “singende” Internet-Altstars.
Der eine: Aufgewachsen in einem “Vorort von Düsseldorf”, also einem Vorort-Vorort. Der andere: Blogwurst, die es nicht einmal auf der Liste der Peinlichsten unter die ersten drei schafft. Das da tut mir wirklich leid! >>> Sorry, ey!
Veröffentlicht in Januar 2010 | Verschlagwortet mit Blogs, Netz | 3 Kommentare »
Marcus Richter präsentiert jeden Samstag auf Fritz die Sendung “Trackback”, in der es “um Internet und so” geht. Da ich hip, angesagt, jung, attraktiv, dynamisch, modern, attraktiv, eloquent, attraktiv und attraktiv bin, durfte ich jüngst dort vorsprechen. (Obwohl ich sonst im Netz rein gar nichts mache!)
Okay, mein Attraktivität ist im Radio lediglich erahnbar, aber seien Sie ihrer versichert. Ich hatte mir fest vorgenommen, mich um Kopf und Kragen zu reden. Ob ich’s geschafft habe? Hören Sie selbst. Die Sache mit der CSU nehme ich jedenfalls nicht zurück…
Zum Podcast >>> (zu Beginn der 44. Minute spielt Richter an mich ab)
Dank an Muriel für die Empfehlung!
Am Ende meiner Darbietung erfahren Sie, wer Sie dort in der nächsten Woche verwöhnen wird. Mann, war das ein Akt!
Foto: bestfor / richard (flickr)
Veröffentlicht in Januar 2010 | Verschlagwortet mit Blogs, Radio | 4 Kommentare »
Stephan Sulke: Singer-Songwriter

Foto: Jim Rakete – (c) 2009 Glor Music Production GmbH & Co.KG
Geboren 1943 als Sohn Berliner Exilanten in Shanghai. Ab 1949 aufgewachsen in der Schweiz. 1963 folgt auf die Teilnahme an einem Nachwuchswettbewerb in Paris die erste Single. Zwei Jahre später erscheint in den USA die in Nashville produzierte Aufnahme “Where Did She Go”. Stephan Sulke veröffentlicht fortan in den Vereinigten Staaten und Frankreich. Mitte der 70er vermehrt Auftritte in Deutschland. 1982: “Uschi” verhilft Sulke zum Deutschen Schallplattenpreis und zum Titel “Künstler des Jahres”. Die Zeile “Uschi mach kein Quatsch” wird zum geflügelten Wort. Hits, Alben, Bücher. Aus- und Umbrüche. Bildhauer, Maler, Bauunternehmer. Ein Leben wie eine Weltreise. Aktuelle Station: Sein Album “Mensch ging das aber schnell”.
Matthias Schumacher (MS): Im Titelsong heißt es “Wumm di bumm, Halbzeit rum”. Vor wenigen Tagen sind Sie 66 geworden. Wie optimistisch sind Sie eigentlich?
Stephan Sulke: Optimistisch genug, um nicht Selbstmord zu begehen.
MS: Ich habe vergessen, vorab etwas Wesentliches mit Ihnen zu klären: “Uschi” lassen wir heute weg! Oder?
Sulke: Uschi ist praktisch ein “Volkslied” einer ganzen Generation geworden. Soll mir zuerst einer nachmachen, bevor er meckert.
MS: 1963 gab es Ihre erste Single nur auf Vinyl, heute kann man sich Ihre Musik als mp3 runterladen. Das Internet: die wohl größte Veränderung und Herausforderung für die Musikbranche. Viele Nutzer klagen über “veraltetes” Urheberrecht, Labels über Raubkopien. Und zwischen allen Stühlen stöhnt und ächzt der Künstler. Bitte klagen Sie jetzt!
Sulke: Ich weiß nicht, ob Raubkopien wirklich so ein Problem sind, iTunes scheint schließlich gut zu laufen. Kommen andere Zeiten, kommen andere Sitten.
Klar, die Zeiten, wo Du schnell mal ‘ne halbe Mio. Singles verkloppen konntest mit ‘ner “catchy” Melodie, die sind vorbei. Die Zeiten, wo Du mit ‘nem großen Auto rumfahren konntest, ohne als Umweltferkel beschimpft zu werden, die sind auch vorbei. Die Zeiten, wo Du ohne wahnwitzige Kontrollen in den Flieger steigen konntest, die sind auch vorbei. Andererseits, die Zeiten, wo Du von Deutschland nach Spanien bis zu viermal an der Grenze angehalten wurdest und zweimal Geld wechseln musstest, die sind auch vorbei. Aktion bewirkt Reaktion. Die Technik von heute verändert die Welt; wohin?
MS: Nun ist die siebente Staffel von DSDS gestartet. Die einen sagen, es sei nichts anderes als ein Talentwettbewerb. Andere sprechen von Demütigung für Quote. Was sagt Stephan Sulke?
Sulke: Keine Meinung. Interessiert mich nicht wirklich. Die Mehrheit hat das Fernsehen, dass sie verdient. Wenn keiner gucken würde, würden sie’s nicht senden. Wenn keiner Kokain schnupfen würde, würde es keiner anbieten. “elementary, my dear Watson.”
MS: Sie haben immer wieder pausiert, aufgehört, hingeworfen. Mitunter hört man über zehn Jahre nichts von Ihnen, manchmal sind es nur fünf. Wie schafft man es, immer wieder weg zu sein, wiederzukommen, weg zu sein, und dennoch mehr als nur die alten nostalgischen Fans in die Konzerte zu locken?
Sulke: Vielleicht wegen der Pausen…? Irgendwer hat mal gesagt: Wenn Du 10% Gefühl im Saal wecken willst, musst Du 1000% hineinsäen. Ich hab immer dann aufgehört, wenn ich mich selber fahl fand. Ich hab immer dann wieder angefangen, wenn’s in mir glühte. Ich werd’ das weiter so handhaben.
MS: Als Berliner muss ich das einfach fragen: Man hat bei Ihren letzten Konzertplänen leicht den Eindruck gewinnen können, Sie machen einen weiten Bogen um die Hauptstadt. Wie ist das Verhältnis zwischen Ihnen und Berlin?
Stephan Sulke: Hey, ich bin doch bei Hallervorden in den Wühlmäusen!
MS: Als sie 1987 der Musikbusiness den Rücken kehrten, beklagten Sie “Zu viel Leere, zu viel Ego”. Sie hätten sich mit Ihren leisen Songs dagegenstemmen können. Ein Zeichen setzen. War die Branche als sie 1999 zurückkamen eine andere oder war Sulke anders geworden?
Sulke: Zum ersten Teil der Frage: Ich bin kein Wanderprediger. Ich suche nicht, Leute zu bekehren. Ich such’ eher Gleichgesinnte. Und die Branche? Die Branche war immer wie eine Kirchenglocke: laut und innen leer. Ob ich anders geworden bin? Zehn Kilo schwerer vielleicht.
MS: Sie haben unter anderem für Katja Ebstein geschrieben. 1983 hat Herbert Grönemeyer Ihr “Ich hab’ Dich bloß geliebt” für sein Album “Gemischte Gefühle” gecovert. Lassen Sie gern andere mit Ihren “Kindern” spielen?
Stephan Sulke: Es ist ein Zeichen von Bewunderung. Es schmeichelt der eitlen Seele.
MS: Das zweite Stück auf ihrem Album heißt “Aber nie” und ist eine Art “Die Gedanken sind frei – 2009″. So deutlich politisch und gesellschaftskritisch sind Sie lange nicht gewesen. Warum grad jetzt?
Sulke: Weil wir in einer Zeit leben, in welcher die Völker der westlichen Demokratien sich ihre blutig erstrittenen Freiheiten von verlogenen, perfiden, feigen, anpassungswütigen, selbstherrlichen und durchaus freiheitsfeindlichen Einzelgängern und Gruppierungen aus der Tasche ziehen lassen. Das Zeitalter der größten geistigen und körperlichen Freiheit in der Menschheitsgeschichte versinkt in der Diktatur der spießigen Korrektheit, der religiösen Dumpfheit und der naiven Akkzeptanz unbeweisbarer Dogmen. Freiwillig marschieren diese Gesellschaften in eine post-mittelalterliche Geisteswelt der Intoleranz. Tragisch.
MS: Unfreiheit beginnt oft im Kleinen und da sagt man schnell mal: “Ach, ich habe ja nichts zu verbergen.” Und dann werden Kontendaten gesammelt, Internetverbindungen gespeichert usw. Warum wehret kaum jemand den Anfängen?
Sulke: Das Sprichwort “Wehret den Anfängen” gäbe es nicht, wenn es nicht in der menschlichen Natur läge, zu warten, bis es sehr sehr spät ist.
Als der Hitler im Saarland einmarschiert ist, hatte er 3000 Männchen. Die Franzosen standen auf der andern Seite der Brücke und hätten bloß rüberspazieren brauchen, den Club einsammeln – und der Spuk wär vorbei gewesen. Ein paar Jahre später war der Spuk dann doch vorbei…mit zig Millionen Toten und einem zerstörten Europa.
Matthias Schumacher: Zu guter Letzt doch noch eine Uschi-Frage: Wann waren Sie zum letzten Mal an der Elfenau und in welchem Outfit?
Stephan Sulke: Hmm, war noch nie an ‘ner Demo….
Vielen Dank für das Interview!
Foto: Jim Rakete – (c) 2009 Glor Music Production GmbH & Co.KG
Linktipp: stephansulke.com
Uschi:
Veröffentlicht in Interview, Januar 2010 | Verschlagwortet mit Interview, Musik, Stephan Sulke | 5 Kommentare »
Ich hab’ so viel zu tragen,
So schwer, zu schwer an Leid -
Wie alte Weiber klagen,
So klag’ ich allezeit.
Ich hab’ so viel zu tragen,
Die Last der Welt, mein Lieb.
Glaub nicht denen, die da sagen,
Dass ich schon immer übertrieb!
Veröffentlicht in Gedichte, Januar 2010 | Verschlagwortet mit Lyrik | 1 Kommentar »
Die Kommentarfunktion für diese Erklaerung wurde deaktiviert.
Ätsch!
Veröffentlicht in Januar 2010 | 1 Kommentar »
In Russland hat man gestern Gammelfleisch aus dem Jahr 1974 gefunden.
Verstehe ich nicht, Lenin ist doch 1924 gestorben!
Fotomontage: Matthias Schumacher
Unter Verwendung der flickr-Fotos von:
Aidan Jones, mkorsakov und schoschie
Veröffentlicht in Januar 2010 | Verschlagwortet mit Fotomontage, Satire | 2 Kommentare »
Veröffentlicht in Januar 2010 | Verschlagwortet mit Daisy, Musik, Video | 2 Kommentare »
Dreimal hat die Videoplattform YouTube bereits den Kanal von GayRomeo gelöscht. Anfang 2008 beklagten sich die Betreiber der blauen Seiten gar bitterlich in einem Offenen Brief im GoogleWatchBlog. Sie hatten ja so recht!
Nun startet die blaue Scheinwelt, die für viele schon ein Zweit- oder Drittwohnzimmer (je nach Profilanzahl) geworden ist, einen neuen Angriff.
Mit grandiosem Erfolg! Schon jetzt ist der Clip in vielen Accounts nicht mehr für unregistrierte Nutzer zu sehen.
Denn: “Dieses Video bzw. diese Gruppe enthält möglicherweise Inhalte, die für einige Nutzer unangemessen sein können, und wurde daher von der YouTube-Community gemeldet.”
Die ach so moralische YouTube-Community hat also wieder zugeschlagen, jene Community, die mit in Deutschland verbotenen Inhalten wie dem Horst-Wessel-Lied kaum Probleme zu haben scheint. Die Verbreitung ist strafbar. Aber über YouTube aus dem Hause Google wird es ungeniert verbreitet. Sicher wäre es technisch kein Problem, solche Inhalte für Deutschland herauszufiltern. Wenn Musiklabel wie EMI es fordern, geht es problemlos, dann ist plötzlich “Dieses Video in Deinem Land nicht verfügbar.”
“Ohne in den Po” ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber verboten ist es nicht. Komische Community!
Man darf gespannt sein, wie lange sich der GayRomeo-Channel diesmal gegen Spießigkeit und Intoleranz behaupten kann.
Da ich homophoben Denunzianten gern meinen formschönen Mittelfinger entgegenstrecke:
Hier nun das lustige kleine Liedchen des PopKabarettisten Holger Edmaier.
In jeder Windelwerbung ist mehr nackte Haut!
Veröffentlicht in Januar 2010 | 3 Kommentare »


flickr-Fotos: Sascha Lobo, moeffju
Pittiplatsch, dream sister
Folgen Sie mir auf Twitter!
Veröffentlicht in Januar 2010 | 1 Kommentar »
Manchmal sieht sie aus, als wolle sie die Herrschaft über den Musikantenstadl oder alle Sommer-, Herbst und Beglückungsorgien der Volksmusik an sich reißen, aber nein, sie will lediglich ein Deutschland in irgendwelchen Grenzen irgendeiner Zeit. Ein grenzenloses Deutschland.
Erika Steinbach (56, 1974 der CDU beigetreten, seit 1990 Mitglied des Deutschen Bundestags, ab 1998 Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV).
Heimatverbunden.
Eine Deutsche – verwurzelt im fremden Deutschland.
Heimatlos.
Ja, die Heimat, wie sie heute ist, ist ihr nicht groß, nicht weit genug.
So wundert es nicht, wenn sie auf Ihrer Website selbstgestelle Fragen wie “Welches Talent hätten Sie gern?” beantwortet mit “Wie ein Vogel zu fliegen.” Hinfort über alle Grenzen nach 1945…. Da geht einem das Herz auf und der Mund nicht mehr zu. Und dass Papst Benedikt XVI ihr Lieblingsheld in Geschichte und Gegenwart ist, könnte unser naives Gemälde (an dem man einfach schnell vorbeilaufen möchte) von der studierten Violinistin eigentlich abrunden. Eigentlich.
Denn 1991 hat sie ihre Chance vergeigt, ganz toll beliebt zu werden. Erika Steinbach stimmte im Deutschen Bundestag gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze. 22 weitere Abgeordnete der Unionsfraktion stimmten ebenfalls mit Nein, aber der Schwarze Peter blieb allein bei der tiefschwarzen Steinbach. In den Folgejahren teilte sie immer wieder kräftig aus, ob nun gegen Jugoslawien oder Tschechien – und immer wieder Polen.
Seit fast genau einem Jahr drängt sie nun in die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Der BdV hat es so beschlossen und Hardlinerin Steinbach folgt unbeirrt ihrem ureigenen Willen. Doch es hilft weder Drängen noch Drängeln, weder Quetschen noch Quengeln. Man will sie dort nicht. In den vergangenen Wochen verging kaum ein Tag, an dem sich Guido Westerwelle und Erika Steinbach nicht über die Presse zu Gesprächen eingeladen und die Meinung gesagt haben. Mahnungen, Zurechtweisungen und nun ein Erpressungsversuch.
Man ist geneigt, Steinbach mit einem Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg zu vergleichen, einem, der jeden Moment hochgehen kann. Wer will so jemand schon in seiner Mitte haben? Steinbach hat es sich mit Polen ein und für allemal verscherzt. Nicht dass polnische Regierungen jemals zurückhaltend mit Kritik an Deutschland gewesen wären! Aber Steinbachs Aufnahme in den Stiftungsrat hätte eine ähnliche Signalwirkung, als würde eine deutsche Regierung besagten rostigen Blindgänger mit einem ungefederten Viehwagen mitten ins ehemalige Warschauer Ghetto karren. Politischer Sprengstoff erster Klasse.
Nun könnte irgendjemand Steinbach in einer guten Stunde zur Seite nehmen und sagen: “Erika, lass mal lieber!” Könnte man sagen. Aber wer? Nicht zuletzt geht es hier um Urmenschliches: um Geltungsdrang, um Machtgier und Machterhalt, um Eitelkeit und Profilierung, Missgunst nicht zu vergessen. Selten war Politik so menschlich.
Selten hat man so genau gewusst, worum es wem genau geht.
Die Karten liegen offen auf dem Tisch.
Steinbach hat einen geschwächten Verbündeten: Die CSU, die es mit den Vertriebenen schon immer besonders gut meinte und keinen Wähler verlieren will. Nicht noch mehr Wähler! Ein Sieger Westerwelle bräche einem Verlierer Seehofer einen weiteren Zacken aus der Krone.
Der Stuhl der Ministerpräsidenten ist wackelig und wenn Seehofer brüllt, klingt nicht nach bayerischem Löwen. Er ist heiser und zuhören mag ihm auch nicht jeder mehr so recht. Seehofer und Steinbach geht es längst nicht mehr nur um übergeordnete deutsche Interessen. Es ist längst auch etwas Persönliches. Da nimmt man manchen Schaden am Image Deutschlands in Kauf. Westerwelle darf um keinen Preis gewinnen, zumindest darf er nicht unbeschadet aus der Schlacht hervorgehen. Das scheint inzwischen oberstes Ziel zu sein.
Die Vertriebenenverbände: 21 Landsmannschaften, rund 2 Mio. Mitglieder (darunter viele Nichtvertriebene). Das sind zwei Millionen Wähler – und die Schwarzen immer an ihren Fersen. Füße Küssen inklusive. Eine Klientel, die die Union, insbesondere die CSU gern bedient.
Erst im August 2009 hat Steinbach aus den Händen Horst Seehofers den Bayerischen Verdienstorden verliehen bekommen. Begründung:
Durch Ihre Hilfe sind die Heimatvertriebenen wieder mehr in unsere gesellschaftliche Mitte gerückt. Somit können sie die Akzeptanz in unserer Gesellschaft deutlich besser spüren.
Bliebe zu klären, wo die Inakzeptanz in unserer Gesellschaft zu spüren ist oder war? An welchem Rand waren die Heimatvertriebenen in den vergangenen Jahren, wenn der Mitte so fern?
Wie vertrieben fühlt man sich nach 60 Jahren Bundesrepublik? Wie wenig Heimat kann man hier in diesen sechs Jahrzehnten gefunden haben? Welche Alternativen hätte es gegeben?
Es müssen Fragen gestellt werden, Fragen in alle Richtungen, mehr Fragen, gezieltere.
Haben wir alles getan, was wir tun konnten? Hatten die Heimatvertriebenen gleiche Rechte und Chancen? Ja! Doch wie steht es mit der Aufarbeitung der DDR, wo die Gründung von Vertriebenenorganisationen bis zum Zusammenbruch der SED-Diktatur verboten war? In der Bundesrepublik gibt es seit 1953 das Bundesvertriebenengesetz. Ein Gesetz der Rechte und Pflichten (vor allem des Staates). Aber ist es nicht ungeschriebene moralische Pflicht, die eigenen Positionen zu überdenken? Wieviel Bewegung gab es im Denken der Heimatvertriebenen in den vergangenen Jahrzehnten? Wieviel Entgegenkommen?
Das Gefühl der Vertriebenen ist ein unstillbares Opfergefühl.
“Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung”, heißt es in der Charta der deutschen Heimatvertriebenen aus dem Jahre 1950, der Charta, “die die Pflichten und Rechte festlegt, welche die deutschen Heimatvertriebenen als ihr Grundgesetz und als unumgängliche Voraussetzung für die Herbeiführung eines freien und geeinten Europas ansehen.” Von Versöhnung keine Rede. Auch kennt die Charta nur deutsche Vertriebene, was nicht nur der Historiker Ralph Giordano heftig kritisiert. Alfred Biolek, selbst Heimatvertriebener, nannte den BdV vor einigen Jahren den “Bund der Unbelehrbaren”.
Europa ist frei und geeint. Deutschland in Frieden und Freundschaft mit allen Nachbarn. Welch glücklicher Zustand! Nun heißt es, diesen Zustand zu stärken, zu wahren und dort, wo es noch Verletzungen, Narben und Unrecht gibt, zu vermitteln, zu versöhnen, zu heilen.
Ginge es darum, Salz in die Wunden zu streuen, wäre Erika Steinbach allererste Wahl.
Der Bund der Vertriebenen hat bei seinem Vorschlag für einen Sitz im Beirat der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung deutlich daneben gegriffen und muss sich fragen lassen, wieviel Steinbach im BdV selbst steckt.
Veröffentlicht in Januar 2010 | 5 Kommentare »
Die Straßen sind leer,
Als wär dort nie jemand gewesen,
Kälte zäunt das Häusermeer,
Drinnen wird vielleicht gelesen,
Wird getan, was man so tut,
Wird Leben praktiziert,
Und während draußen alles ruht
Und ringsum die Welt erfriert,
Sitzt im Haus dort eine Frau,
Die lang allein schon ist,
Die Glieder dünn, die Haare grau,
Sich fragend wo er ist.
Vor zehn Jahren ging er fort,
Sie blieb allein im Haus,
Sie nimmt sein Bild vom Küchenbord
Und sieht zum Fenster raus.
Die Gardinen sind ihr Schild
Vor aller Welt und Zeit,
Dann blickt sie lange auf das Bild,
Indes es draußen schneit.
Veröffentlicht in Gedichte, Januar 2010 | 7 Kommentare »
Allen viel Erfolg auf der Jagd nach Erfolg, Glück und Gesundheit… im neuen Jahr!
2009 hat es nicht bei jedem geklappt.
Aber des einen Leid ist ja oft des anderen Mittagessen.
*Todesanzeige in der Arminiusmarkthalle, Berlin Moabit
Veröffentlicht in Dezember 2009 | 5 Kommentare »
Es ist nun schon sechs Jahre her, da habe ich eine kleine klassische Weihnachtsgeschichte geschrieben: “Hans Wunsch” Sechs Jahre Schublade! Fast. Vor fünf Jahren machte sie einen Ausflug und hielt sich für einige Monate zum Check-up in einem kleinen, aber namenhaften Buchverlag auf, der sie für ordentlich beeinander befand und eigentlich ganz gern in einem Heftchen abgedruckt hätte. Doch saisonale Literatur, so hieß es, ließe sich nun einmal schwer verkaufen. Man setze voll und ganz auf Ganzjahresliteratur.
“Hans’ Wunsch” landete wieder in der Schublade. Und in jedem Jahr, immer wenn das Fest nahte, mahnte sie mich zur Veröffentlichung. Zum Handeln, einfach irgendetwas zu tun. Sie freizugeben. Doch wie? Wo? Damals hatte ich noch kein Blog. Gehört so etwas in ein Blog? Zweifel, Fragen, Ratlosigkeit. Diese Weihnachtsgeschichte drohte, zur neverending story zu werden.
Jetzt aber habe ich mich entschlossen, sie endlich loszulassen. Auf einer eigenen Seite steht sie nun, Jahr für Jahr, unabhängig von jeder Saison und harrt ihrer Leser. Die Odyssee ist beendet. Ihr Hafen: das Internet. Angekommen.
Sie soll mein letztes Zeichen in diesem Jahr sein.
Ich wünsche allen ein frohes Fest, Gesundheit, Glück und Liebe.
Mögen wir nie unsere Wünsche verlieren, mögen sich nie all unsere Wünsche erfüllen! Danke für dieses Jahr und auf ein glückliches 2010!
Und nun:
Veröffentlicht in Dezember 2009 | 3 Kommentare »
Folgen Sie mir auf Twitter >>>
Veröffentlicht in Dezember 2009 | Verschlagwortet mit Klima, Klimagipfel, Kopenhagen | Kommentar schreiben »
Abgeordnete, die nicht einmal von sechs Prozent gewählt wurden, die nur über die Landesliste ins Parlament einziehen konnten, denen kaum einer zuhört und nur 426 Leute auf Twitter folgen, Politiker, die nur ganz wenige lieben und genauso wenige kennen, die nie ein Journalist spontan etwas fragen würde, denen bleibt oft nur die offene Hinterfotzigkeit, um von sich reden zu machen. Aber eins nach dem anderen…
Wir haben wieder einen Twitter-Skandal.
Hannover. Niedersächsischer Landtag. Montag, 14.12.09
Der ungestüme GRÜNEN-Abgeordnete Helge Limburg hatte während einer Debatte zum Bleiberecht über den gerade redenden Innenminister Uwe Schünemann (CDU) gezwitschert:
Schuenemann spricht wie HC Strache (FPO) und Gerd Wilders. Unertraeglicher Hetzer!
Heinz-Christian Strache und Geert Wilders (mit ee und t) also. Hätte man vorher mal googeln können. Ein “Udo Voigt” hätte auch gereicht. Aber wie hätte Limburg den dann geschrieben? “Hidler” wäre auch gegangen. Hidler kennt jeder und kann jeder schreiben. Hidler. Ist aber out, genauso wie Gäring oder Görbels.
FDP-Fraktionschef Cristian Dürr, der den Feind offensichtlich immer genau im Auge hat, obwohl er ihm gar nicht auf Twitter folgt, brachte den Tweet innerhalb der Debatte vor. Es kam, wie es kommen sollte: Tumult. Eklat. Unterbrechung der Debatte. Skandal!
Nun fordern Politiker, wieder einmal, Regeln für’s Twittern. Und wie immer, wenn es um Recht und Moral geht, kommt hier die BILD ins Spiel. Dort fordern die ersten Politiker nun einen “Twitter-Knigge per Gesetz“. Gibt es aber schon. Nennt sich Strafgesetzbuch. Grauzonen inklusive.
CSU-Innenexperte Stefan Müller (MdB) via BILD:
„Das Gesetz muss auch beim Twittern gelten. Es kann nicht sein, dass es da einen rechtsfreien Raum gibt.“
Gibt’s ja gar nicht. Soweit – so unspektakulär.
Viel interessanter sind die Reaktionen im Internet.
Besonders warm ums Herz wurde mir, als ich hierzu einen Blogbeitrag von Markus Beckedahl auf netzpolitik.org las. Beckedahl gibt sich ganz dem Stil der Springer-Presse hin – wenn auch von der anderen, der guten Seite:
Also hat die Bild-Zeitung vermutlich keine Mühen gescheut und hat in der Unions-Fraktion solange die Abgeordneten durch telefoniert, bis sie Hinterbänkler gefunden hat, die die passenden Kommentare abliefern.
Hinterbänkler wie Stefan Müller, die ihren Wahlkreis mit 47,4 Prozent der Erststimmen direkt geholt haben. Hinterbänkler eben. Netzpolitik.org zitiert auch den sächsischen CDU-Bundestagsabgeordneten Marco Wanderwitz, dessen Gedanken jeder folgen können sollte. Wanderwitz ist ebenfalls ein Hinterbänkler. Auch er hat seinen Wahlkreis direkt gewonnen (41,2 Prozent der Erststimmen).
Müller ist seit Ende 2005 Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Ausschuss für Arbeit und Soziales und stellvertretender arbeits- und sozialpolitischer Fraktionssprecher. Außerdem zweiter Vorsitzender der Gruppe der Arbeitnehmer in der Unions-Fraktion. Helge Limburg ist Sprecher für Rechts- und Verfassungspolitik, Antifaschismus, Strafvollzug und Kirche. Wer liegt vorn – und welche Rolle spielt es? Es muss eine Rolle spielen, wenn Netzpolitik-Ikone Beckedahl den Begriff Hinterbänkler für Müller und Wanderwitz so bewusst einsetzt. Wer weiß es? Bitte melden!
Hinterbänkler. Hinterbänkler? Sind Hinterbänkler nicht oft die wirklich vom Volk legitimierten Abgeordneten? Denn Vorderbänkler sind meist die stets in der Kritik stehenden Landeslistenpolitiker, die ins Parlament einziehen, ob es stürmt oder schneit, ob der Wähler sie will oder nicht. Einzige Voraussetzung: Die Partei springt über die 5-Prozent-Hürde.
Hinterbänklertum ist schon eine sehr fragwürdige Bezeichnung für die direkte Legitimation durch den Wähler. Eine Art Geringschätzung der Demokratie und des Wählerwillens. Viele politisch Interessierte mögen den Umweg in die Parlamente per Liste so rein gar nicht, es sei denn, ihre Favoriten profitieren davon. Politik kann so urmenschlich sein! (In puncto Überhangmandate sieht es nicht anders aus.)
Grüne, Liberale und Linke sind übrigens allesamt ausschließlich über die Landeslisten in den Niedersächsischen Landtag eingezogen.
Somit ist auch der grüne Twitterrebell Helge Limburg einer dieser typischen Landeslistenabgeordneten. Der von ihm kritisierte CDU-Hinterbänkler Uwe Schünemann hat 2008 seinen Wahlkreis mit 47,6 Prozent gewonnen. Gut, die können alle irren. Ebenso wie die 94,2 Prozent der Wähler, die Helge Limburg in dessen Wahlkreis Nienburg-Nord die Stimme verweigert haben.
Kann man bei 5,8 Prozent bereits von Achtungserfolg sprechen? Nicht einmal 2.125 Erstimmen von 37.407!
Wie formulierte ich es eingangs?
“… denen bleibt oft nur die Hinterfotzigkeit, um von sich Reden zu machen”
Immer mehr verdichtet sich mein Gefühl, dass es einige Politiker auf Twitter etwas übertreiben, zur ernüchternden Gewissheit. Aber Twitter macht es einem ja so unendlich leicht. Denn jemandem etwas offen ins Gesicht zu sagen, erfordert Anstand und Rückgrat. Der Applaus der meisten Follower ist einem sicher. Vielleicht mutieren ja einige von ihnen beim nächsten Mal zu Wählern und man bringt es dann auf ganze 5,9 Prozent – bevor man wieder über die Liste in den Landtag zieht.
1984 hat sich Joschka Fischer noch ganz persönlich an Richard Stücklen gewandt: “Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch.” Ein Vierteljahrhundert später nennt Helge Limburg Uwe Schünemann über Twitter einen “unerträglichen Hetzer”. Kommentar, Meinungsäußerung oder Beleidigung? Feigheit, Gedanken- oder Arschlosigkeit? Was in Limburgs Hose vermutet werden kann, ist eine große Portion Ängstlichkeit, die ich hier anders zu nennen, nicht bereit bin.
Limburg saß Schünemann direkt gegenüber, er hätte ihn frontal angehen können. Er tat es nicht. Doch hätte er, von Angesicht zu Angesicht, und nicht hintenrum via Twitter, dann hätte man den Hut ziehen können. Und wenn er, als der Tweet von Twitter in den Landtag geschwappt wurde, auch noch dazu gestanden hätte (ohne umzufallen), könnte man es nicht als billigen Klassenkampf interpretieren. So aber schon.
Veröffentlicht in Dezember 2009 | Verschlagwortet mit Limburg, Netzpolitik, Niedersachsen, Twitter | 12 Kommentare »
Veröffentlicht in Dezember 2009 | 1 Kommentar »
Sie war nie weg und ist jetzt wieder da… THE CAT. Klappe, die Sechste.
Veröffentlicht in Dezember 2009 | Kommentar schreiben »
Darf jemand unsere Zukunft sein, für den BILD-Chef Kai Diekmann ein Herz hat?
Kinder sind unsere Zukunft.
Wie neutral dieser Satz doch daherkommt. Wie unschuldig. Ohne jede Wertung. Ohne jede Garantie. Kinder sind die, die zu wenig für unsere Rente erwirtschaften und uns ins Heim stecken werden. Unsere Kinder sind eines Tages wie wir heute. Ein grauenhafter Gedanke.
Kinder sind unsere Zukunft. Sie werden die Kriege, die wir begonnen haben, weiterführen. Sie werden ausbeuten, brandroden, schlachten. Im Ersten Weltkrieg hofften wohl alle jungen Eltern, ihre Kinder würden eines Tages klüger sein als sie selbst und diese Welt verbessern. Sie sollten Frieden schaffen und bewahren. Und dann marschierten diese, ihre Kinder mit “Sieg Heil” heim ins Reich und in den schlimmsten Krieg aller Kriege.
Kinder sind das fleischgewordene Prinzip Hoffnung. Doch an unseren Samenfäden hängt ein Damoklesschwert über unserer Zukunft, dessen Größe keine Elterngeneration überschauen kann.
Kinder sind unsere Zukunft. Aber wir alle sind irgendjemands Kind. Sind wir die Zukunft? Ist das, was die Kinder der Kinder der Kinder der Kinder… , also wir, ist das, was wir geschaffen und geschafft haben, gut?
Betrachten wir das Werk der Menschheit, so betrachten wir das Werk von Kindern und Kindeskindern. Weltkriege, Hunger, Elend, Pest, Cholera, Hartz IV, SPD und DSDS. Tine Wittler, Mario Barth, Tokio Hotel, Kai Diekmann…
Kinder sind arm. Sie sind ein gewaltiger Kostenfaktor und tragen nichts, aber auch rein gar nichts zum Wirtschaftswachstum bei. Sie wälzen jede Verantwortung auf ihre Eltern ab. Sie entziehen sich bis zum vollendeten 14. Lebensjahr dem Strafrecht, saufen aber schon mit 12 wie die Alten und machen sich ausgerechnet dort, wo sie am ärmsten sind, gegenseitig neue Kinder. Dass sie homophob und auch sonst diskriminierend sind, muss nicht weiter erwähnt werden, denn bis dato wachsen sie im Scheidungsfall vornehmlich bei ihren Müttern auf und sind kaum in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften anzutreffen.
Die Gesänge der Apokalypse sind unüberhörbar.
UPDATE: Bild.de legt nach. Schon bald 100jährige Kinder!
Veröffentlicht in Dezember 2009 | 6 Kommentare »
Lord Christopher Monckton interviewte unlängst Greenpeace-Aktivisten, die in Berlin gegen die 2. Internationale Klimakonferenz protestierten – und erhielt beeindruckende Antworten:
Veröffentlicht in Dezember 2009 | Verschlagwortet mit Greenpeace, Klima | 3 Kommentare »
So ein Blog wie Die Erklaerung birgt ein gewaltiges Problem in sich: Man weiß so gut wie nie, was als Nächstes kommt. Und ob was kommt. Blogleser sind der Willkür der Autoren ausgeliefert. Das sind Zeitungsleser auch, gewiß. Redaktionen machen, was sie wollen, so lange sie können und nicht wegen der Krise, der bösen Gratisleser im Netz oder der Illuminaten abgeschafft werden.
Wer eine Zeitung abonniert hat, bekommt sie vertragsgemäß geliefert. Wer ein Blog abonniert, hat keinen Anspruch, sondern bestenfalls Glück, wenn mal wieder etwas im Reader landet. Blogger machen alles freiwillig und haben es nicht so mit Regeln und Regelmäßigkeit. Nicht wenige haben es mit Mühe und Not gerademal zur Mittelmäßigkeit gebracht. Wir müssen nichts. Nicht schnell sein, nicht gut sein, nicht sein. Eigentlich ist das eines unserer größeren Probleme.
Weil Blogger frei sind, glauben sie, tatsächlich frei zu sein -
und fühlen sich permanent unfrei.
Redaktionen lenkt in aller Regel das Tagesgeschehen (oder die Anzeigenkunden, sofern diese nicht längst in der weiten Welt des Webs verschwunden sind). Dennoch gilt: Wenn heute wo wer Wichtiges mit irgendwas wohin fasst oder tritt, muss es morgen in der Zeitung stehen. Der Markt erzwingt es.
Viele Blogger aber kümmert nicht, was der Markt will oder was in der Zeitung steht – einige wissen nicht einmal, dass es so etwas (noch) gibt. Blogs kennen keine Programmvorschau und insgesamt kann das alles sehr unbefriedigend sein. Mancher Leser soll schon viele Jahre in Schockstarre vor dem Bildschirm verbracht haben, ohne dass auch nur ein Thema aufgetaucht wäre, das er verstand oder zu dem er eine Meinung hätte haben wollen.
Niemand fragt uns, wir antworten trotzdem.
Seit langem frage ich mich, woran es liegen mag, dass mancher Beitrag in wenigen Stunden viele hundert Mal aufgerufen wird, doch niemand ihn kommentieren möcht’. Sind alle derselben Meinung? Dann könnte man doch wenigstens jubeln! So ein trolliges “Danke” wäre das Mindeste. Doch die Masse schwelgt im Schweigen. Vielleicht hält sie einen aber auch für doof – oder ist doof. Wer weiß das schon genau…
Zuweilen hat der geneigte Leser Fragen an den Autor – Grundsätzliches außer der Reihe – will wissen, warum und warum nicht. Aber es passt einfach irgendwie nie.
Nun gibt es seit kurzem FormSpring.me, so eine neumodische Sache, wo man wem Fragen stellen tun kann, ohne sich irgendwo angemeldet braucht und Mühe geben muss. Dort kann man nun auch mich jeden Scheiß alles fragen. Sinnvolles wäre mir am liebsten.
FormSpring hat allerlei Vorteile:
Zum einen ist es anonym, besonders praktisch für all die vielen Informanten, die einem über den Tag hinweg pikante Häppchen und verschlüsselte Kuchenrezepte zuspielen wollen. Wenn Sie Informationen darüber haben, wo Westerwelle Englisch übt oder Sahra Wagenknecht frech auf Oskar ist, lassen Sie es mich wissen. Sie müssen keine Daten angeben. Ein Internetzugang wird vorausgesetzt. (Be)Kenntnisse in Wort und Schrift sind nützlich.
Ein weiterer Vorteil ist, dass dieses Blog sauber bleibt und nicht zu einer Art “Wünsch Dir was 2.0″ verkommt.
Dritter Vorzug: Mein E-Mail-Postfach wird geschont. Soll ja noch ‘ne Weile halten!
Das erschlagendste Argument für mich ist allerdings, dass FormSpring völlig entbehrlich, ja wenn nicht überflüssig ist. Gerade deshalb habe ich es jetzt schon ganz doll lieb.
Ich bin im übrigen eine sehr angenehme und nicht minder mysteriöse Persönlichkeit. Versuchen Sie doch einfach hinter mein Geheimnis zu kommen. Ist es Hartz IV, ein regelmäßiger BlowPutzjob oder bin ich mit dem goldenen Schniedel im Rumtopf auf die Welt gekommen? Entlocken Sie mir etwas!
Ungebetene Fragen im Netz der ungebetenen Antworten.
PS Unter diesem Beitrag hinterlassene Kommentare gelten nicht. Ätsch!
PPS Ich antworte nur, wenn ich gute Laune habe. Kommt vor, geht aber nicht auf Knopfdruck.
PPPS Machen Sie doch, was Sie wollen! Machen Sie ja eh.
PPPPS Wer Twitter und Facebook nie verstanden hat, wird an FormSpring seine helle Freude haben. Die drei lassen sich sogar verbinden (bei Registrierung). Und man kann anderen folgen. Originell oder?
PPPPPS Für jede Erwähnung von FormSpring erhalte ich XX.XXX,XX Euro. FormSpring!
Veröffentlicht in Dezember 2009 | 4 Kommentare »
An dieser Stelle schon einmal ein kleiner Blick auf die öffentlich-rechtliche TV-Programmvielfalt rund ums Weihnachtsfest. Ich will nicht zu viel verraten, aber die Sendeanstalten haben einmal mehr Kosten und Mühen gescheut, um uns zu unterhalten wie wir es gewohnt sind. Alle Jahre wieder.
Leider überschneiden sich diese Spielfilmhighlights mitunter – vielleicht etwas, woran man im nächsten Jahr doch mal arbeiten könnte?!
Damit wir nichts verpassen…
Selbst die Schweizer haben sich für den 1. Weihnachtstag etwas ganz Besonderes einfallen lassen >>>
Veröffentlicht in Dezember 2009 | 1 Kommentar »
Quelle: Bild.de
Geht das nun zu weit? Leider nein. Schade. Wir leben in einer tabulosen Zeit. Alles was noch als Skandal über den Ladentisch geht, sind lieblos zurechtkonstruierte Einheitsempörungsbausätze mit Daumenschrauben, an denen man nur ein bisschen drehen muss, damit das Volk aufheult.
In Irland wurden übrigens von 1940 bis in die 1980er Jahre hinein über 3000 Kinder durch katholische Geistliche missbraucht. Und täglich melden sich weitere Opfer. Juckt das einen? Daumen hoch oder Daumen runter? Unsere Schrauben bleiben locker. Kaum eine Reaktion.
Deutschland ist leise wie ein Hasenfurz – und das stinkt gewaltig. Nach einer Welle von Meldungen im Frühjahr rollt seit Tagen nahezu unbeachtet eine neue über uns hinweg. Gott, es ist ja nur DIE Weltkirche! 2,1 Milliarden Zugehörige. Pah!
Stattdessen legen wir direkte Demokratie als Skandal aus und zeigen mit starren Fingern auf die Schweiz, weil das ganze Abendland untergeht, wenn dort keine Minarette gebaut werden dürfen. Wir sind schon richtige Moralschweine. Nicht gebaute Kirchtürme sind uns offenbar wichtiger als Kinder. Verständlich: Denn der Imageschaden, den sich die Schweizer mit ihrer Volksabstimmung eingehandelt haben, trifft auch uns. Wir alle sind die westliche Welt.
Und wenn die Bundeswehr in Afghanistan 17 oder vielleicht doch 142 + X Menschen in die Luft jagt, kratzt das ganz schön an unserem Lack. Aber ist der nicht schon längst ab?
Seit dem 11. September 2001 achten wir, wenn es um unsere muslimischen Mitmenschen geht, besonders auf Political Correctness. Denn manche von ihnen bauen, wenn es ganz schlimm wird, Bomben und kapern Flugzeuge. Da tastet man sich lieber ganz vorsichtig an die Sache ran.
Wir unterscheiden Islam von Islamismus, weil man sie unterscheiden muss. Wir fürchten, dass jede Islamkritik zu Islamismus führen könnte. Wir fürchten aber nicht, dass jeder neue christliche Priester ein Kinderschänder ist oder werden könnte. Denn wenn wir auch vielleicht nicht an Gott glauben, so glauben wir doch an das Gute der Kirche. Irgendwie sind es ja trotzallem unsere Jungs. Irgendwie schon. Irgendwie eben. Wenigstens haben sie in der Regel keinen Osama-bin-Laden-Bart. Solchen Leuten trauen wir alles zu. Wer sich nicht auskennt, urteilt visuell.
Warum kritisieren wir nicht mit genauso viel Lust und Engagement das Christentum? Filialen gibt es in jeder Stadt. Wenn Sie nicht wissen, wohin Sie sich mit Ihrer Kritik wenden sollen, denn folgen sie am Sonntagmorgen einfach dem Gebimmel!
Irische Geistliche haben sich an irischen Kindern vergriffen. Nicht schön. Jaja, die Kirche. Mmh. 1,5 Mio. Schweizer haben gegen Minarette gestimmt. SKANDAL! Kommen jetzt die Bombenbauer? Nein, die bomben wir ja vorsorglich alle weg. SKANDAL!
Täglich sterben allein in Afrika 30.000 Kinder an Hunger, Aids, Kriegen… Ja, ich weiß, wer dieses Argument bringt, macht sich lächerlich. Es gilt als Totschlagargument. Als Argument, um alle anderen Missstände auf der Welt kleinzureden. Doch wer so denkt, ist ein gewissenloses Arschloch, das nicht begriffen hat, dass jedes Leben so viel wert ist, wie jedes andere. Wir picken uns schon lange nur noch die Toten raus, die Quote bringen und uns in den Kram passen. Natürlich kommt jedes zivile Opfer den Kritikern des Afghanistaneinsatzes gerade recht. Bessere Argumente kann einem die Bundeswehr gar nicht liefern.
… selten hat man den Alt-Grünen Christian Ströbele so oft mit der “Bild”-Zeitung wedeln sehen …
Schrieb unlängst SPIEGEL online in einem Bericht über die Bundestagsdebatte zum Tanklaster-Angriff. Auch Renate Künast fuchtelte mediengerecht mit dem ach so verhassten Springer-Blatt herum. Warum auch nicht dann und wann vom Feind den Weg freischießen lassen?
Und Afrika? Man kann es schon nicht mehr hören! Wir stellen uns taub und spenden zu Weihnachten ein bisschen was an “Brot für die Welt”.
Vielleicht wird zwischen Frühstück und Gänsebraten noch ein Tsunami serviert – und dann gibt’s noch was extra. Dann ist aber gut. Den Rest das Jahres möchten wir bitteschön nicht mehr belästigt werden. Ist ja auch zum Kotzen dieses Elend! Wenig ästhetisch. Warum schnackseln die denn auch so viel? Enthaltsamkeit, tja, damit nicht…
Und die westliche Welt vögelt weiter. Gern auch mal ohne Gummi. Mit HIV kann man ja heute ganz gut leben. Jeder AOK-Patient bekommt die besten Medikamente. Pfeif auf Afrika, die Deutschen sterben aus! Welch ein Verlust wäre das! SKANDAL!
Um überall dort zu helfen, wo es notwendig wäre, müssten wir alle viel mehr geben und unser Leben ändern. Will das jemand ernsthaft?
Willkommen in der Mediengesellschaft, die auf jeden Tanklaster aufspringt, der quotenträchtig beschossen wird. Wir alle wissen genau, wie sich das Soldatenleben in Afghanistan anfühlt. Wir wissen, wie zu entscheiden wäre. Wir glauben, alles zu wissen.
Wir fühlen uns ausreichend informiert, aber wir fühlen uns nicht mehr in andere hinein und wir fällen über alles und jeden Urteile im Takt des Augenzwinkerns.
Wir sind der eigentliche Skandal.
Veröffentlicht in Dezember 2009 | 11 Kommentare »